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Die Marmorbüste zeigt Dorothea von Rodde-Schlözer im Alter von etwa 35 Jahren. Bereits 1787 hatte sie mit nur 17 Jahren als erste Frau in Deutschland den Doktortitel der Philosophie erlangt – zu einer Zeit, als Frauen an deutschen Universitäten nicht regulär zugelassen waren. Sie beherrschte zahlreiche Sprachen und führte in Lübeck einen Salon, in dem sowohl Künstler als auch Gelehrte wie Wilhelm von Humboldt zu Gast waren; auch Goethe und die französische Autorin Germaine de Staël zählten zu ihrem Umfeld.

Die Büste entstand 1806 während einer Frankreichreise, auf der Rodde-Schlözer ihren Ehemann, den Kaufmann Matthäus Rodde, begleitete. Indem sie ihren Geburtsnamen nach der Heirat beibehielt, begründete sie in Deutschland die emanzipatorische Praxis des Doppelnamens. Gleichzeitig wurde die Promovierte von ihren Zeitgenossen als zurückhaltend und bieder beschrieben. Ihre höhere Bildung war Teil eines pädagogischen Experiments ihres Vaters August Ludwig von Schlözer, Professor in Göttingen. Trotz ihrer akademischen Bildung sind keine wissenschaftlichen Publikationen überliefert, was die Bedingungen für Frauen für der Zeit widerspiegelt.

Das Objekt verweist auf eine zentrale Ambivalenz der Aufklärung: Während Vernunft und Bildung propagiert wurden, blieb Frauen der Zugang zu wissenschaftlicher Anerkennung meist verwehrt. Auch prominente Denker der Epoche wie Immanuel Kant sprachen Frauen die volle Rationalität ab und verorteten sie im Bereich der Emotionen.

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