Karikatur „Streit im Kaffeehaus”
Karikatur einer hitzigen Debatte im Kaffeehaus
in: The Fourth Part of Vulgus Britannicus: or, the British Hudibras, Edward Ward (Verfasser, 1667–1731), London, 1710, Kupferstich © Washington D.C., Folger Shakespeare Library, CC BY-SA 4.0
Das Frontispiz zu Edward Wards Vulgus Britannicus zeigt ein belebtes Londoner Kaffeehaus. Männer lesen Zeitungen oder Flugblätter, rauchen Pfeife und diskutieren, während im Bildhintergrund eine Frau hinter einem Tresen steht und Bestellungen entgegennimmt. Im Zentrum eskaliert ein Streit: Ein Mann schleudert seinem Gegenüber eine Tasse Kaffee entgegen, ein Dritter versucht vergeblich zu schlichten. Der Titel The Coffehous Mob macht die Szene als satirischen Kommentar auf die Diskussionskultur kenntlich.
Kaffeehäuser waren im frühen 18. Jahrhundert wichtige neue Orte einer entstehenden Öffentlichkeit. Hier trafen sich Adel und Bürger unterschiedlicher Herkunft, um über Politik, Religion und aktuelle Nachrichten zu debattieren. Gedruckte Medien wie Zeitungen und Flugschriften zirkulierten in diesen Räumen und trugen zur Verbreitung aufklärerischer Ideen bei.
Zugleich waren Kaffee und Tabak Produkte kolonialer Ausbeutung, die durch den transatlantischen Handel und versklavte Arbeit nach Europa gelangten. Die neue Öffentlichkeit beruhte damit auch auf globalen Ungleichheiten. Zudem blieben viele Menschen – etwa Frauen, Arme oder religiöse Minderheiten – von der gleichberechtigten Teilnahme ausgeschlossen. Das Bild zeigt so zugleich das Versprechen und die Grenzen der aufklärerischen Debattenkultur.
Interne Links
- Themen: Merkantilismus und koloniale Herrschaft, Menschenrechte und Gleichheit, Absolutismus und Revolution
- Objekte: Schokoladenkännchen, Fregatte, Kinderbuch mit Sklavenschiff, Gleichheit
- Produkte: Streit im Kaffeehaus, Wissensspeicher, Menschenrechtespiel
Weiterführende Materialien
- Objektbeschreibung des satirischen Kupferstichs „The Coffehous Mob“ aus „The Fourth Part of Vulgus Britannicus: or, the British Hudibras” von Edward Ward
- DHM-Objektgeschichte: „Zuckerdose mit Figur einer afrikanischen Frau“ mit einem Interview mit Flower Manase Msuya
Vertiefende Informationen
- Beitrag von Stephanie von Steinsdorff: Freunde der Aufklärung. Die Berliner Mittwochsgesellschaft (1783–1798)
- Beitrag von Irmgard Siede: Bühnentechnik ohne Strom in der Zeit der Aufklärung: das Dalberg’sche Bühnenmodell
- DHM-Interview mit Barbara Stollberg-Rilinger über neue Formen des (wissenschaftlichen) Austausches im 18. Jahrhundert und heute