1871-1914

[Orden: Pour le Mérite, um 1760]

[Orden: Pour le Mérite, um 1815]

[Orden: Pour le Mérite, um 1870]

[Orden: Pour le Mérite, 1866]

[Orden: Pour le Mérite, 1866]

[Orden: Pour le Mérite für Wissenschaft und Kunst, um 1880]



Der Orden "Pour le Mérite"


Der "Pour le Mérite" geht auf den preußischen König Friedrich II. (1712-1786, "Friedrich der Große") zurück, der den aus kurfürstlicher Zeit stammenden und überaus häufig verteilten Hoforden "De la Générosité" 1740 in einen reinen Verdienstorden umwandelte. Mit der Verleihung des "Pour le Mérite" für militärische oder zivile Verdienste ging eine hohe gesellschaftliche Anerkennung einher. Einer der bekanntesten zivilen Träger des "Pour le Mérite" war der französische Philosoph Voltaire (eigtl. François Marie Arouet, 1694-1778). Seit dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) diente der Orden ausschließlich der Ehrung von Offizieren.

Nach der Niederlage Preußens gegen die von Napoleon Bonaparte (1769-1821) geführten Truppen wurde der Charakter des "Pour le Mérite" als militärische Auszeichnung 1810 in den Ordensstatuten verankert. Die mit dem Verdienstorden geehrten Offiziere bildeten eine Ritterschaft und erhielten einen lebenslangen monatlichen Ehrensold. Da der Orden nur einmal verliehen werden konnte, führte Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) für zusätzliche Verdienste der Ordensträger das gesondert anzubringende Eichenlaub als weitere Auszeichnungsstufe ein. Das stilisierte "L" der mittleren Blattader des Eichenlaubs erinnerte an seine Gattin, die jung verstorbene Königin Luise (1776-1810); die sieben Blattenden symbolisierten ihre noch lebenden Kinder. Gab es 1816 rund 1.000 Träger des "Pour le Mérite", so erhöhte sich deren Zahl im Laufe des 19. Jahrhunderts erheblich.

Nach dem Sieg über Österreich erweiterte König Wilhelm I. den "Pour le Mérite" durch eine Kabinettsorder vom 20. September 1866 um eine Großkreuzstufe mit dazugehörigem Bruststern. Die am Großkreuz und am Bruststern angebrachten Medaillons zeigen jeweils das Brustbildnis Friedrichs des Großen. Diese aus Großkreuz und Bruststern bestehende Auszeichnung erhielten zunächst nur Kronprinz Friedrich Wilhelm (1831-1888, der spätere König und Kaiser Friedrich III.) sowie dessen Cousin Prinz Friedrich Karl (1828-1885). Als einziger Ausländer wurde der russische Zar Alexander II. (1818-1881) mit der Großkreuzstufe in Anerkennung seiner Leistungen zur Beendigung des russisch-türkischen Kriegs ("Krimkrieg": 1853-1856) geehrt. Danach wurde diese Stufe nur noch ein einziges Mal verliehen: Generalfeldmarschall Graf Helmuth von Moltke (1800-1891) erhielt diese höchste Auszeichnung 1879 zu seinem 60jährigen Dienstjubiläum.

Demgegenüber wurde der "Pour le Mérite" im gesamten 19. Jahrhundert weit häufiger verliehen. Von den 704 Verleihungen unter Kaiser Wilhelm II. fielen 687 in die Zeit des Ersten Weltkriegs. Mit 132 Auszeichnungen wurden Flieger - unter ihnen Manfred Freiherr von Richthofen und Max Immelmann - besonders häufig geehrt. Ernst Jünger erhielt den letzten verliehenen "Pour le Mérite" kurz vor dem Waffenstillstand vom 11. November 1918. Mit der Revolution von 1918/19 und dem Ende der preußischen Monarchie entfiel die Militärauszeichnung, die insgesamt 5.430mal verliehen wurde.

Die Friedensklasse des "Pour le Mérite"

Angeregt durch Alexander von Humboldt (1769-1859), stiftete Friedrich Wilhelm IV. 1842 eine Friedensklasse des Ordens für die drei Abteilungen Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin, Schöne Künste. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854) und der Rechtshistoriker Friedrich Carl von Savigny (1779-1861) zählten zu den ersten, die für ihre wissenschaftlichen Leistungen mit dieser staatlichen Auszeichnung bedacht wurden.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs erfolgten zahlreiche Verleihungen der Friedensklasse. Nach Abdankung der Hohenzollern im Zuge der Revolution 1918/19 wurde der "Pour le Mérite" nicht mehr als staatliche Auszeichnung verliehen, aber die im Kaiserreich verliehenen Orden durften auch während der Weimarer Republik öffentlich getragen werden. Da die am 31. Juli 1919 verabschiedete Verfassung jegliche Stiftung und Verleihung staatlicher Orden ausdrücklich ausschloß, organisierten noch lebende Ordensträger sich als eine freie, selbstergänzende Gemeinschaft von Künstlern und Gelehrten, die den Orden als zivile Auszeichnung verlieh. Das preußische Staatsministerium billigte 1924 das Bestehen dieser Gemeinschaft, ohne damit jedoch dem Orden den Rang einer staatlichen Auszeichnung einzuräumen. Gerhart Hauptmann und Käthe Kollwitz zählten zu den namhaftesten Persönlichkeiten, deren künstlerisches Schaffen mit der Verleihung des zivilen "Pour le Mérite" geehrt wurde.

Im Unterschied zur Weimarer Republik wurden während des NS-Regimes wieder staatliche Auszeichnungen gestiftet. Lagen Ordensstiftungen zunächst in der Verantwortlichkeit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, so durfte nach dessen Ableben 1934 nur noch der Reichskanzler und "Führer" Adolf Hitler Ordensstiftungen vornehmen. Schon im März 1934 hatte Hermann Göring als preußischer Ministerpräsident die Überprüfung aller Inhaber der Friedensklasse des "Pour le Mérite" im Hinblick "auf ihre politische und künstlerische Eignung" angekündigt: Juden, Kommunisten und Gegner des Nationalsozialismus, die Mitglieder des Ordens waren, wurden von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) überprüft. Für Käthe Kollwitz endete die Überprüfung mit der Aberkennung ihrer Mitgliedschaft.

Nach der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg kam die Vergabe erneut zum Erliegen, doch wie schon zu Beginn der Weimarer Republik erfolgte eine Wiederbelebung des Ordens als zivile Gemeinschaft mit staatlicher Anerkennung. In seiner Eigenschaft als Bundespräsident genehmigte Theodor Heuss 1952 die Ordenssatzung und übernahm das Protektorat über den Orden. Der "Pour le Mérite" hat in der Bundesrepublik Deutschland zwar ein hohes Prestige, aber keinen staatlichen Charakter wie etwa der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ("Bundesverdienstkreuz"). Die Zahl der Ordensmitglieder des "Pour le Mérite" wurde in der Satzung auf mindestens 30 deutsche und höchstens 30 ausländische Künstler und Wissenschaftler festgelegt. Zu den Ordensträgern zählten in den fünfziger Jahren Persönlichkeiten wie Thomas Mann und Karl Schmidt-Rottluff.

(mk/KPM)

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