Der seit Herbst 1939 von Generalleutnant Erich von Manstein
erarbeitete Operationsplan "Sichelschnitt" für
die geplante Westoffensive gegen Frankreich sah zwei Etappen
vor: Nach der Einkesselung der in Belgien und Nordfrankreich stehenden
Truppen der Alliierten sollte durch Abdrehen nach Süden
einem französischen Gegenstoß begegnet und eine Umfassung
ihrer Hauptstreitkräfte aus westlicher Richtung eingeleitet
werden. Um eine erfolgreiche Umsetzung des Plans und eine operative
Überraschung des Gegners zu gewährleisten, musste
der Schwerpunkt des deutschen Angriffs südlich der Linie
Maas-Sambre in den Ardennen liegen.
Mansteins Plan war äußerst riskant und stieß
ursprünglich beim Oberkommando des Heeres (OKH) unter
Walther von Brauchitsch auf Ablehnung. Der Vorstoß
von geschlossenen Panzerverbänden durch die wegarmen, dicht
bewaldeten und damit für motorisierte Verbände als unzugänglich
eingeschätzten Ardennen galt als undurchführbar. Dennoch
kam die Heeresgruppe A unter Generaloberst Gerd von Rundstedt
nach Angriffsbeginn am 10. Mai 1940 schnell voran. Die ausgebauten
Routen durch das Gebirge waren schnellen Panzerverbänden
vorbehalten. Auf Nebenstraßen folgte die Infanterie.
Der Vormarsch stieß auf nur geringen Widerstand. Zwar wurden
in Luxemburg ca. 60 Straßensperren angelegt, die insgesamt
1.300 nur leicht bewaffneten Ordnungskräfte des Lands hatten
jedoch Befehl, sich den Angreifern nicht entgegenzustellen. Die
Hauptkontingente der belgischen Armee kämpften im Nordosten
des Lands. Auch die Franzosen wurden aufgrund ihres Vertrauens
in das natürliche Gebirgshindernis vom Vorstoß von
45 Divisionen der Heeresgruppe A im Mittelabschnitt der Front
vollkommen überrascht. Entlang der Ardennen und der mittleren
Front hatten sie lediglich 18 Divisionen positioniert.
Am 13. Mai erreichte die Spitze des deutschen Angriffskeils die
Ausläufer des Gebirges. Bei Sedan setzten Panzerverbände
von Generaloberst Heinz Guderian über die Maas.
Weiteren Truppen gelang nördlich bei Charleville und Monthermé
der Übergang über den Fluss. Nach dem Ausbruch
aus den Ardennen stand ihnen nunmehr das französische Hinterland
bis zur Kanalküste für weiträumige Operationen
offen.
(as)