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Deutscher Gewerkschaftsbund

Grundlage des nach dem Prinzip der Interkonfessionalität arbeitenden zweitgrößten Dachverbands deutscher Gewerkschaften war die christliche Weltanschauung. Im Unterschied zu den im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) organisierten Freien Gewerkschaften lehnten die Christlichen den Klassenkampfgedanken und den proletarischen Internationalismus entschieden ab. Sie verstanden sich als Standesorganisation der Arbeitnehmer innerhalb einer auf Solidarität basierenden nationalen Gemeinschaft. Der Weimarer Republik stand ein Großteil der Mitglieder ablehnend gegenüber. Hemmend für den Einfluss des DGB wirkte sich vor allem seine parteipolitische Zerstreuung vom katholischen Zentrum über die arbeitgeberfreundliche DVP bis zur monarchistischen DNVP aus. Einen starken Hang zur radikalen Rechten und zum Antisemitismus entwickelte insbesondere der dem DGB angeschlossene, völkisch orientierte Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband (DHV).

Geradezu begeistert begrüßte ein Großteil der Christlichen Gewerkschaften 1930 die Einsetzung eines Präsidialkabinetts unter Heinrich Brüning, dem früheren Geschäftsführer des DGB. Mit Adam Stegerwald (1874-1945) wurde zudem eine ihrer anerkannten Führungspersönlichkeiten mit dem Arbeitsministerium betraut. Allerdings resultierte daraus kein Popularitätsschub für den DGB, wie dies von den Christlichen Gewerkschaften erhofft wurde. Unter dem Substanzverlust und schwindenden Einfluss der Gewerkschaft in der Weltwirtschaftskrise hatte auch der DGB zu leiden. Von den Auswirkungen der Machtübernahme der NSDAP blieb der DGB trotz seiner nationalen Einstellung nicht verschont. Seine Mitglieder wurden im Sommer 1933 in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) überführt, der auch das Vermögen des DGB zufloss.

Arnulf Scriba
14. September 2014

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