1917

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[Postkarte: Ferdinand Graf von Zeppelin, um 1916]

Chronik

Januar
5. 1. In einer Neujahrsbotschaft an die Truppen ruft im Felde Kaiser Wilhelm II. zu unvermindertem Kampf gegen die Entente auf.
7. 1. Ein Treffen zwischen dem Vorstand und der parteiinternen Opposition eröffnet die letzte Etappe der Spaltung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).
9. 1. Fürst Nikolai Golizyn (1874-1952) wird letzter zaristischer Ministerpräsident in Rußland.
Unterzeichnung eines deutsch-türkischen Handelsvertrags.
10. 1. Die Entente-Mächte geben ihre Kriegsziele bekannt: Während Frankreich die Zerschlagung des Deutschen Reichs ("écrasement") fordert, will Großbritannien dessen weltpolitische Stellung einschränken ("containment"), die deutschen Kolonien aufteilen, die Flotte zerstören und den Außenhandel begrenzen. Neben der Räumung der besetzten Gebiete fordert Rußland die Wiedereingliederung Polens, Frankreich will die Rückgabe von Elsaß-Lothringen, Großbritannien drängt auf die Wiederherstellung der Eigenständigkeit Belgiens, Serbiens und Montenegros.
17. 1. Ein deutsches Bündnisangebot an Mexiko für den Fall eines Kriegseintritts der USA wird vom amerikanischen Geheimdienst entschlüsselt. Die Bereitschaft der USA zu einem Krieg gegen Deutschland steigt.
18. 1. Der Parteiausschuß der SPD beschließt die organisatorische Trennung der sozialdemokratischen Mehrheit von der oppositionellen Minderheit.
22. 1. In einer Rede vor dem amerikanischen Senat fordert Präsident Woodrow Wilson einen "Frieden ohne Sieger".
28. 1. Die deutsche Regierung lehnt Wilsons Friedensbotschaft ab.

Februar
1. 2. Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs in den Sperrgebieten um Großbritannien und im Mittelmeer.
3. 2. Die USA brechen die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab.
7. 2. Die britische Regierung verhandelt mit dem Zionistenführer Chaim Weizmann (1874-1952) über eine jüdische Besiedlung Palästinas.
9. 2. Aus Angst vor innenpolitischer Opposition werden in Rußland die Mitglieder des Zentralen Kriegsindustriekomitees verhaftet. Kurz darauf brechen Streiks und Unruhen unter den Industriearbeitern in Petrograd (heute: St. Petersburg) aus.
14. 2. Die Gesamtsumme der vom Reichstag seit 1914 bewilligten Kriegskredite beläuft sich inzwischen auf 64 Milliarden Mark.
17. 2. Wegen der anhaltenden Hungersnot im Deutschen Reich wird in Berlin ein Ministerium für Lebensmittelversorgung gebildet.
20. 2. Fünf-Pfennig-Münzen aus Kupfer werden für Kriegszwecke eingezogen und durch solche aus Aluminium ersetzt.
23. 2. Die Mehrheitsfraktion der SPD stimmt im Reichstag der neuen Vorlage für Kriegskredite zu, "solange die Eroberungsziele der Feinde bestehen".
24. 2. Wegen des Kohle- und Holzmangels werden in Berlin sämtliche Schulen geschlossen.
25. 2. Deutsche Großindustrielle werfen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg Schwäche in der Kriegführung vor und fordern seinen Rücktritt.
26. 2. Ein deutsches U-Boot versenkt den schnellsten britischen Passagierdampfer, die "Laconia".

März
2. 3. In der deutschen Presse erscheinen Aufrufe, keine sogenannten Jammerbriefe an die Front zu senden, um die Soldaten nicht zu demoralisieren.
3. 3. Wegen der schlechten Ernährungslage gibt die Kriegsernährungsstelle in Dosen konserviertes Gemüse frei (1 kg pro Lebensmittelkarte).
8. 3. Aufgrund des erfolglosen Kriegsverlaufs und der wirtschaftlichen Zerrüttung kommt es in Petrograd zu ersten schweren Zusammenstößen zwischen streikenden Arbeitern und dem Militär.
Tod des Luftschiffpioniers Ferdinand Graf Zeppelin in Berlin.
10. 3. Die Streiks in Petrograd weiten sich zum Generalstreik aus. Zar Nikolaus II. befiehlt, die Demonstranten mit allen Mitteln zu bekämpfen.
11. 3. Die Abgeordneten der russischen Duma (des russischen Parlaments) weigern sich, die von Nikolaus II. verfügte Auflösung der Duma durchzuführen. Soldaten der Petrograder Garnison solidarisieren sich mit den streikenden Arbeitern. Beginn der "Februarrevolution".
12. 3. In Berlin sind 135 Pockenerkrankte gemeldet und zahlreiche Fälle von Hungertyphus.
14. - 16. 3. In den wichtigsten russischen Städten bilden sich Arbeiter- und Soldatenräte.
15. 3. Abdankung des Zaren Nikolaus II. zugunsten seines Bruders Michail (1878-1918). Die russische Duma proklamiert die Bildung einer bürgerlichen Regierung unter Georgi J. Fürst Lwow.
16. 3. Mit dem Thronverzicht Michails endet die über 300jährige Herrschaft der Romanow-Dynastie.
17. 3. Rücktritt des französischen Ministerpräsidenten Aristide Briand, da ihm keine Umbildung seines Kabinetts mit neuen Ministern gelingt. Sein Nachfolger wird Alexandre Ribot (1842-1923).
21. 3. Die provisorische russische Regierung läßt den Ex-Zaren und seine Familie verhaften und in Zarskoje Selo internieren.
Administrative Trennung von Flandern und Wallonien zur Sicherung des deutschen Einflusses nach dem Krieg.
22. - 24. 3. Nachdem die neue russische Regierung die Fortführung des Kriegs versprochen hat, wird sie von den Entente-Mächten offiziell anerkannt.
31. 3. Tod des Bakteriologen Emil von Behring in Marburg.

April
1. 4. Im Deutschen Reich werden die Brotrationen auf 170 g pro Tag und die Kartoffelrationen auf 2.500 g pro Woche gekürzt.
6. 4. Kriegserklärung der USA an das Deutsche Reich.
Auf einem Kongreß der sozialdemokratischen Opposition in Gotha wird die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) unter dem Vorsitz von Hugo Haase gegründet.
Die Russische Orthodoxe Kirche spricht sich offiziell gegen die provisorische Regierung aus.
Beginn der französischen Offensive an der Aisne.
7. 4. Aufgrund der innenpolitischen Unruhe verspricht Kaiser Wilhelm II. in seiner " Osterbotschaft" die Aufhebung des preußischen Dreiklassenwahlrechts nach Kriegsende.
9. 4. Mit Einverständnis und Unterstützung der deutschen Regierung durchquert Wladimir I. Lenin zusammen mit 30 Revolutionären aus der Schweiz kommend im Zug das Deutsche Reich. Man verspricht sich von Lenins Rückkehr eine Verschärfung der innenpolitischen Unruhen im Zarenreich.
17. 4. In Petrograd fordert Lenin in seinen "Aprilthesen" eine sozialistische Revolution zur Ablösung der bürgerlichen Regierung.
19. 4. Der Rückzug der deutschen Truppen bis zur "Siegfriedstellung" ist abgeschlossen.
23. 4. Bei der Konferenz in Kreuznach zur erneuten Festlegung der Kriegsziele spricht sich Reichskanzler Bethmann Hollweg gegen Pläne der Obersten Heeresleitung (OHL) aus, die weitgehende Annexionen in Rußland, Belgien und Frankreich vorsehen.
27. 4. In den neuerbauten Leuna-Werken bei Merseburg wird die Produktion von Ammoniak aufgenommen.
30. 4. General Henri Philippe Pétain wird Nachfolger von Georges Robert Nivelle (1858-1924) als Chef der französischen Nordarmee und verhindert den drohenden Zusammenbruch durch Meutereien unzufriedener Truppenteile.

Mai
15. 5. Reichskanzler Bethmann Hollweg hält eine programmatische Rede zur gegenwärtigen Kriegspolitik, ohne jedoch auf die Frage der Kriegsziele einzugehen.
17. 5. Der russische Revolutionär Leo D. Trotzki kehrt aus dem Exil in den Vereinigten Staaten nach Rußland zurück.
18. 5. In den USA beginnt die Wehrerfassung aller Männer zwischen 21 und 30 Jahren. Drei Millionen Männer werden einberufen.
In Absprache mit den Arbeiter- und Soldatenräten wird eine neue russische Regierung unter Beteiligung von Sozialdemokraten gebildet. Der Sozialrevolutionär Alexander Kerenski wird Kriegsminister.
23. 5. Der reformfeindliche Ministerpräsident von Ungarn, István Graf von Tisza (1861-1918), muß auf Betreiben Kaiser Karls I. zurücktreten. Nachfolger wird Moritz Graf Esterházy von Galántha (1881-1960), der sich besonders um eine demokratische Wahlreform bemühen soll.
27.5. Die am 6. April 1917 begonnene französische Offensive an der Aisne und in der Champagne wird nach großen Verlusten eingestellt.
28. 5. Die italienische Regierung hebt in Rom 15.000 neue Carabinieri aus, um im Fall einer Revolution die Hauptstadt schützen zu können. Die inneren Spannungen haben sich aufgrund der hohen Verluste in den erfolglosen Isonzoschlachten verschärft.
31. 5. Dem Chemiker Franz Fischer (1877-1948) gelingt am Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohleforschung die Herstellung von Benzin aus Steinkohle.

Juni
2. 6. - 19. 6. Internationaler Sozialistenkongreß in Stockholm sucht nach Möglichkeiten des Friedensschlusses. Der französische Ministerpräsident Ribot verweigert den Sozialisten seines Landes die Ausreise nach Stockholm.
3. 6. Die deutsche Delegation trifft unter Führung von Philipp Scheidemann in Stockholm ein.
7. 6. In Berlin fordert die Reichsfrauenkonferenz der Sozialdemokraten das Wahlrecht für Frauen.
12. 6. Die alliierten Besatzungstruppen zwingen Griechenlands König Konstantin I. (1868-1921) zur Abdankung, weil er einen Kriegseintritt gegen die Mittelmächte ablehnt. Sein Sohn folgt ihm als Alexander I. (1893-1920) auf den Thron.
15. 6. Der amerikanische Kongreß beschließt ein Anti-Spionage-Gesetz, das schwerste Strafen für Kriegsbehinderung vorsieht und gegen die kriegsfeindlichen Sozialisten gerichtet ist.
16. 6. In Petrograd findet der erste gesamtrussische Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte statt, auf dem die Bolschewiken nur zehn Prozent der Delegierten stellen. Lenin unterstreicht den Führungsanspruch seiner Partei.
19. 6. In Großbritannien wird das Wahlrecht für Frauen ab 30 Jahren eingeführt.
20. 6. Die "Kaiser-Glocke" des Kölner Doms, die mit 543 Zentnern eine der schwersten der Welt ist, wird zur Metallverwertung eingeschmolzen.
25. 6. Der Medizinprofessor Ferdinand Sauerbruch stellt in Wien ein operatives Verfahren vor, das außerordentliche Beweglichkeit der Ersatzglieder für Amputierte erlaubt.
26. 6. Die erste US-Division landet bei St.-Nazaire in der Nähe von Nantes (Bretagne).
27. 6. Kriegseintritt Griechenlands auf seiten der Alliierten.

Juli
6. 7. Matthias Erzberger (Zentrum) fordert eine Resolution für einen annexionslosen Frieden, da keine Aussicht auf einen Sieg mehr bestehe.
7. 7. Der größte deutsche Luftangriff auf London (etwa 20 Maschinen) fordert 47 Todesopfer.
11. 7. Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff fordern die Entlassung von Reichskanzler Bethmann Hollweg wegen dessen Kriegszielpolitik.
Das Preußische Staatsministerium erhält den Auftrag, eine Vorlage zur Änderung des preußischen Dreiklassenwahlrechts für die Zeit nach dem Krieg vorzubereiten.
13. 7. Reichskanzler Bethmann Hollweg reicht seinen Rücktritt ein. Sein Nachfolger wird Georg Michaelis.
16. - 18. 7. Ein bewaffneter Massenaufstand in Petrograd gegen die Provisorische Regierung wird niedergeschlagen. Die bolschewistischen Zeitungen werden verboten.
17. 7. Der britische König Georg V. (1865-1936) ändert den Namen seines Hauses von "Sachsen-Coburg-Gotha" in "Windsor".
19. 7. Die auf Initiative von Erzberger eingebrachte Friedensresolution wird mit den Stimmen der Mehrheitsparteien Zentrum, Deutsche Fortschrittspartei und SPD angenommen, die sich zuvor im interfraktionellen Ausschuß darüber abgestimmt haben. Die Resolution fordert einen Verständigungsfrieden ohne Annexionen.
20. 7. Die russische Provisorische Regierung besetzt das von Josef W. Stalin geleitete Pressebüro des Parteiorgans der Bolschewiken "Prawda".
21. 7. Fürst Lwow tritt als Ministerpräsident der russischen Provisorischen Regierung zurück. Sein Nachfolger wird der Kriegs- und Marineminister Kerenski.
24. 7. Nach der Niederschlagung des Putschversuchs flieht Lenin nach Finnland.
31. 7. Winston Churchill wird zum Rüstungsminister im Kabinett des britischen Ministerpräsidenten David Lloyd George ernannt.

August
1. 8. In einer Friedensbotschaft verlangt Papst Benedikt XV. (1851-1922) einen Frieden ohne Annexionen. Während der Vorschlag im kriegsmüden Italien große Zustimmung findet, lehnen das Deutsche Reich und die Entente ihn ab, weil sie inmitten heftiger Kriegszieldiskussionen stehen.
2. 8. Friedensdemonstrationen von etwa 400 Matrosen in Wilhelmshaven.
5. 8. Meutereien in der deutschen Hochseeflotte. Die Anführer werden verhaftet.
14. 8. Kriegserklärung Chinas an Österreich-Ungarn.
20. 8. Tod des Chemikers Adolf Ritter von Baeyer (1835-1917) in Starnberg.
Der britische Staatssekretär für Indien stützt die Unabhängigkeitsbewegung und kündigt eine schrittweise Dekolonisierung an.
21. - 25. 8. In Turin können ein revolutionärer Aufstand und Generalstreik wegen des Brotmangels nur mit Hilfe zusätzlicher Truppen unterdrückt werden, da auch Teile der Armee rebellieren.
25. 8. Fünf Anführer des Matrosenaufstandes der deutschen Hochseeflotte werden zum Tode verurteilt. Der Oberbefehlshaber der deutschen Flotte, Admiral Reinhard Scheer (1863-1928), wandelt drei der Todesurteile in Haftstrafen um, besteht jedoch auf der Erschießung der beiden Heizer Max Reichpietsch (1894-1917) und Albin Köbis (1892-1917). Beide Matrosen waren Hauptredner bei Protestversammlungen der Hochseeflotte.

September
2. 9. Gründung der Deutschen Vaterlandspartei in Königsberg unter dem Vorsitz von Admiral Alfred von Tirpitz und dem ostpreußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp.
3. 9. Einnahme von Riga durch die 8. deutsche Armee.
7. 9. Nach dem Austritt der Sozialisten aus seiner Regierung erklärt der französische Ministerpräsident Ribot seinen Rücktritt. Neuer Ministerpräsident wird der bisherige Kriegsminister Paul Painlevé (1863-1933).
14. 9. Der russische Ministerpräsident Kerenski proklamiert die Republik und beruft eine neue fünfköpfige Regierung.
20. 9. An den deutschen Hochschulen haben die Studentinnen einen Anteil von 34,8 Prozent. Im letzten Vorkriegsjahr waren es 6,7 Prozent.
21. 9. Der Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat wählt ein bolschewistisches Präsidium unter Leitung von Trotzki.
24. 9. Die neugegründete Deutsche Vaterlandspartei fordert auf ihrer ersten Großkundgebung in Berlin einen unbedingten "Siegfrieden".
26. 9. Tod des französischen Malers Edgar Degas in Paris.
28. 9. Der Zentrumspolitiker Konrad Adenauer wird neuer Oberbürgermeister von Köln.

Oktober
6. 10. Im Reichstag kommt es zu schweren Auseinandersetzungen über die vaterländische Propaganda des Alldeutschen Verbands und der Vaterlandspartei.
Die US-Regierung übernimmt per Gesetz die Kontrolle über den Außenhandel.
12. - 20. 10. Eroberung der strategisch wichtigen Inseln Ösel, Dagö und Moon in der Rigaer Bucht durch deutsche Truppen.
15. 10. Mata Hari wird wegen angeblicher Spionagetätigkeit in Vincennes bei Paris hingerichtet.
Tod des Schriftstellers Walter Flex (gefallen bei Ösel).
19. - 23. 10. Das russische Parlament wird aufgelöst. Das neue republikanische Vorparlament wird von den Bolschewiken boykottiert. Lenin beschließt in der ZK-Sitzung der Bolschewiken den bewaffneten Aufstand gegen die Regierung Kerenski.
22. 10. Die Mehrheitsparteien entziehen Reichskanzler Michaelis wegen seiner eigenwilligen Interpretation der Friedensresolution, seines scharfen Vorgehens gegen die USPD sowie wegen seiner Ablehnung einer Reform des Dreiklassenwahlrechts das Vertrauen.
24. - 30. 10. Die Offensive der Mittelmächte am Isonzo führt zum Zusammenbruch der italienischen Front und zur Eroberung der Provinz Friaul-Julisch-Venetien. Große Teile der italienischen Armee werden gefangengenommen oder lösen sich auf. Großbritannien und Frankreich raten zum Kriegsaustritt Italiens. Ministerpräsident Paolo Boselli (1838-1932) erklärt daraufhin seinen Rücktritt, neuer Regierungschef wird der bisherige Innenminister Vittorio Orlando (1860-1952).
26. 10. Die irische Nationalpartei Sinn Féin fordert die Unabhängigkeit der Republik Irland und bewaffnet weiter die illegale Revolutionsarmee.
31. 10. Reichskanzler Michaelis tritt zurück.

November
1. 11. Kaiser Wilhelm II. ernennt den bayerischen Ministerpräsidenten Georg Graf von Hertling zum neuen Reichskanzler.
2. 11. Der britische Außenminister Arthur James Earl of Balfour verspricht den Juden ein "national home" in Palästina. Die "Balfour-Deklaration" wird in Deutschland von rechtsgerichteten Kreisen als Bündnis Großbritanniens mit den Zionisten zu antisemitischer Agitation genutzt.
5. 11. Die deutsch-österreichische Kriegszielkonferenz in Berlin beschließt die Vereinigung des russischen Teil Polens und Galiziens mit dem Königreich Polen sowie die Angliederung von Litauen und Kurland an das Deutsche Reich.
Die russische Regierung befiehlt die Besetzung bolschewistischer Zeitungsbüros und löst damit den bewaffneten Aufstand der Bolschewiken aus.
7. 11. (25. 10. nach russischer Zeitrechnung) Besetzung strategisch wichtiger Punkte in Petrograd durch die Roten Garden der Bolschewiken. Der Winterpalast, der Sitz der Provisorischen Regierung in Petrograd, wird belagert ("Oktoberrevolution").
8. 11. Bolschewistische Truppen stürmen den Winterpalast und verhaften die Regierungsmitglieder. Ministerpräsident Kerenski flieht zu den Truppen an der Nordfront. Der allrussische Rätekongreß billigt die bolschewistische Machtübernahme.
9. 11. Die siegreichen Revolutionäre in Rußland bilden eine Regierung der Volkskommissare unter dem Vorsitz von Lenin und erlassen ein Dekret über einen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen.
Der italienische Armeeoberbefehlshaber Graf Luigi Cadorna (1850-1928) wird abgelöst. Zur Aufrechterhaltung der Front in Oberitalien entsenden Großbritannien und Frankreich Truppen.
13. 11. Bolschewistische Truppen schlagen die Armee des abgesetzten Ministerpräsidenten Kerenski vernichtend bei Zarskoje Selo.
Der französische Ministerpräsident Painlevé tritt zurück, weil er keine Akzeptanz im Parlament findet.
15. 11. Tod des Soziologen Emile Durkheim in Paris.
17. 11. Georges Clemenceau wird neuer Ministerpräsident Frankreichs. Mit einer parteiübergreifenden Regierung sichert er sich weitreichenden Handlungsspielraum.
Tod des Bildhauers Auguste Rodin in Meudon.
20. 11. Erster erfolgreicher Masseneinsatz von Tanks (Panzer) durch die Briten bei Cambrai.
28. 11. Die russische Räteregierung schlägt allen kriegführenden Parteien einen Waffenstillstand vor. Deutschland und Österreich-Ungarn stimmen zu, die Alliierten lehnen einen Seperatfrieden Rußlands mit den Mittelmächten ab.

Dezember
4. 12. Finnland erklärt seine Unabhängigkeit von Rußland.
5. 12. In Brest-Litowsk wird ein zehntägiger Waffenstillstand zwischen dem Deutschen Reich und Rußland vereinbart.
7. 12. Kriegserklärung der Vereinigten Staaten an Österreich-Ungarn.
9. 12. Britische Soldaten rücken in Jerusalem ein und beenden die 673 Jahre währende osmanische Herrschaft.
Vollständige Besetzung von Deutsch-Ostafrika durch britische Truppen.
Die Mittelmächte und Rumänien vereinbaren einen Waffenstillstand.
12. 12. Gründung des Normenausschusses der Deutschen Industrie in Berlin. Er setzt die Deutsche Industrie Norm (DIN) fest.
15. 12. Der Waffenstillstand zwischen Rußland und dem Deutschen Reich wird bis zum 14. Januar 1918 verlängert.
18. 12. Gründung der Universum Film AG (Ufa) in Berlin als Propaganda-Instrument der OHL.
Mit einem Verfassungszusatz wird in den USA die Prohibition eingeführt: Herstellung, Verkauf und Transport alkoholischer Getränke werden verboten. Die Bestimmung tritt am 19. Januar 1920 in Kraft.
20. 10. Die russische Räteregierung beschließt die Gründung der Geheimpolizei Tscheka.
22. 12. Beginn der Friedensverhandlungen zwischen Rußland und den Mittelmächten in Brest-Litowsk.
28. 12. Zur Sicherung der Nachschublieferungen für den Krieg werden die amerikanischen Eisenbahngesellschaften verstaatlicht.

Außerdem:
Gottfried Benn: Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke (Lyrik)
Lion Feuchtwanger: Der ewige Jude (Roman)
Walter Flex: Der Wanderer zwischen beiden Welten (Erzählung)
Abel Gance (1889-1981): Mater dolorosa (Film)
Thea von Harbou (1888-1954): Das indische Grabmal (Drehbuch)
Ricarda Huch: Der Fall Deruga (Roman)
Heinrich Mann: Die Armen (Roman)
Hans Pfitzner (1869-1949): Palestrina (Oper)

(lw/mw)

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