1938

[Postkarte: "Zur historischen Begegnung...", 1938]

[Postkarte: Ausstellung "Der ewige Jude", 1938]

[Photo: Brennende Synagoge in Essen, 1938]

Chronik



Januar
1. 1. Den jüdischen Kulturvereinigungen wird der Status von Körperschaften öffentlichen Rechts aberkannt.
6. 1. In Berlin wird der Film "Der Berg ruft" mit Luis Trenker (1892-1990) uraufgeführt.
8. 1. In Ostspanien erobern die republikanischen Truppen die von den Faschisten besetzte Stadt Teruel.
12. 1. Mit neuen Zulassungsordnungen werden jüdische Zahnärzte aus den Krankenkassen ausgeschlossen. Die Zulassung kann auch Dentisten entzogen werden, die keine "Gewähr rückhaltlosen Eintretens für den nationalsozialistischen Staat" bieten.
Auf einer Konferenz von Italien, Österreich und Ungarn lehnt der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg sowohl einen Völkerbundaustritt als auch einen Beitritt zum Antikominternpakt ab.
19. 1. In Moskau beendet der Oberste Sowjet seine konstitutierende Sitzung. Er ist in der von Josef W. Stalin neu eingeführten Verfassung das höchste Staatsorgan.
Die deutsche Luftwaffeneinheit "Legion Condor" bombardiert Barcelona und tötet dabei 100 Menschen.
22. 1. In Princeton (New Jersey / USA) wird das Theaterstück "Unsere kleine Stadt" von Thornton Wilder (1897-1975) uraufgeführt.
25. 1. Im Deutschen Reich werden neue Schutzhaftbestimmungen eingeführt: "Alle volks- und staatsfeindlichen Personen" können sofort inhaftiert und in Konzentrationslager (KZ) verbracht werden. Dies ermöglicht die willkürliche Verhaftung von Personen durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo).
27. 1. Bei der Auflösung eines Propagandazentrums der Nationalsozialisten in Wien werden Pläne für bewaffnete Aufstände gefunden.
29. 1. Die Schulzeit für höhere Schulen in Deutschland wird von neun auf acht Jahre verkürzt.

Februar
4. 2. Im Rahmen einer zielgerichteten Kriegsvorbereitung bildet Adolf Hitler die Regierung und Militärführung um. Joachim von Ribbentrop wird neuer Außenminister. Gleichzeitig werden verschiedene Botschafter abberufen, unter ihnen der ehemalige Reichskanzler Franz von Papen. Walther Funk wird neuer Wirtschaftsminister. Der Kriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Werner von Blomberg, und der Oberbefehlshaber des Heers, Werner Freiherr von Fritsch, müssen zurücktreten. Das Kriegsministerium wird in das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) umgewandelt, dessen Leitung General Wilhelm Keitel übernimmt. Hitler selbst wird Oberbefehlshaber der Wehrmacht.
11. 2. Mit einer Großkundgebung wird in Berlin der Reichsberufswettkampf eröffnet, der von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) unter Robert Ley organisiert wird.
12. 2. In einem Gespräch mit Bundeskanzler Schuschnigg droht Hitler mit dem Einmarsch der Wehrmacht und erzwingt so dessen Einwilligung, die Nationalsozialisten an der Regierung zu beteiligen.
15. 2. Für alle Frauen, die einen Beruf außerhalb von Haus- oder Landwirtschaft anstreben, wird ein Pflichtarbeitsjahr in diesen beiden Bereichen vorgeschrieben. Damit soll auch der Vierjahresplan gesichert werden.
16. 2. Da sowohl Italien als auch Großbritannien und Frankreich die Bemühungen Schuschniggs um eine direkte Hilfe gegen Hitler ablehnen, ernennt er den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart zum Innenminister.
18. 2. In seiner Rede zur Eröffnung der Automobil- und Motorradausstellung in Berlin kündigt Hitler den Bau eines Volkswagenwerks an.
20. 2. Der britische Außenminister Anthony Eden tritt zurück, weil er die nach Kompromissen strebende Appeasement-Politik des Ministerpräsidenten Arthur Neville Chamberlain gegenüber Deutschland und Italien ablehnt.
22. 2. Chamberlain erklärt, daß der Völkerbund kleinere Staaten nicht vor Angriffen schützen könne.
27. 2. In Berlin wird die Ausstellung "Entartete Kunst" eröffnet, die in anderer Form bereits in München zu sehen war.

März
1. 3. In Cargnacco (Ligurien) stirbt der italienische Schriftsteller Gabriele D'Annunzio, der mit einem großen Staatsakt in Anwesenheit von Benito Mussolini beigesetzt wird.
2. 3. Der oppositionelle Pfarrer und Führer der Bekennenden Kirche, Martin Niemöller, wird nach Verbüßung seiner Haftstrafe in ein KZ eingeliefert. Er ist Hitlers "persönlicher Gefangener".
10. 3. Der französische Ministerpräsident Camille Chautemps (1885-1963) wird von den Linksparteien gestürzt. Sein Nachfolger wird der Sozialist Léon Blum, der vergeblich versucht, in seine linke Koalitionsregierung die bürgerlichen Parteien einzubeziehen.
11. 3. Mit der Drohung einer sofortigen Okkupation zwingt Hitler den österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg zum Rücktritt. Sein Amt übernimmt Seyß-Inquart.
12. 3. Die deutsche Wehrmacht marschiert in Österreich ein, dessen Truppen von der Bundesregierung den Befehl erhalten haben, keinen Widerstand zu leisten. Hitler fährt in seine Geburtsstadt Braunau am Inn. Abends spricht er auf einer Großkundgebung in Linz. In ganz Österreich setzt eine Verhaftungswelle gegenüber politischen Gegnern ein.
13. 3. Hitler läßt ein Gesetz zum "Anschluß" Österreichs an das Deutsche Reich verkünden. Die staatlichen Einrichtungen Österreichs werden durch deutsche Behörden übernommen. Bundespräsident Wilhelm Miklas (1872-1956) verweigert die Unterschrift. Er tritt zurück und übergibt seine Vollmachten Seyß-Inquart.
15. 3. Alle österreichischen Beamten werden auf die Person Hitlers vereidigt. Seyß-Inquart wird Reichsstatthalter.
16. 3. Wegen des deutschen Einmarsches fliehen zahlreiche Künstler ins Exil, unter ihnen Carl Zuckmayer, Alfred Polgar (1873-1955) und Ödön von Horvarth. Der Schriftsteller Egon Friedell begeht Selbstmord.
25. 3. Hitler beginnt eine Reise durch Österreich, bei der er für eine Volksabstimmung zugunsten des Anschlusses an das Deutsche Reich plädiert.
27. 3. In einem Hirtenbrief rufen die katholischen Bischöfe in Österreich dazu auf, für den Anschluß an das Deutsche Reich zu stimmen.
28. 3. Hitler schürt nun den Konflikt zwischen den Sudetendeutschen und der tschechoslowakischen Regierung. Er weist Konrad Henlein, Führer der Sudetendeutschen Partei in der Tschechoslowakei, an, für die tschechische Führung unannehmbare Forderungen zu stellen.
31. 3. US-Präsident Franklin D. Roosevelt lehnt wegen der drohenden Kriegsgefahr eine Allianz mit den europäischen Staaten ab, die sich zum Widerstand gegen Faschismus und Nationalsozialismus erklärt haben.

April
7. 4. Hitler eröffnet den Bau einer Autobahn zwischen Wien und Salzburg.
8. 4. In Frankreich tritt Ministerpräsident Blum zurück, da ihm ein umfangreiches Vollmachtenprogramm nicht gebilligt wird. Neuer Regierungschef wird zum dritten Mal Édouard Daladier.
10. 4. Nach offiziellen Angaben stimmen in der Volksabstimmung in Österreich und Deutschland 99 Prozent für den Anschluß.
15. 4. Die faschistischen Truppen des Generals Francisco Franco erreichen in Aragonien die östliche Mittelmeerküste. Damit ist das Gebiet der Republikaner in zwei Teile getrennt.
24. 4. Auf einer Tagung der Sudetendeutschen Partei stellt ihr Vorsitzender Henlein ein Programm mit Autonomieforderungen an die tschechoslowakische Regierung vor.
26. 4. Als Beauftragter für den Vierjahresplan ordnet Hermann Göring die Anmeldepflicht aller jüdischen Vermögen im In- und Ausland an.
28. 4. In Zürich wird die Oper "Mathis der Maler" von Paul Hindemith uraufgeführt.
29. 4. Auf einer gemeinsamen Konferenz erklären Daladier und der britische Ministerpräsident Chamberlain, daß die tschechische Regierung Zugeständnisse an die Sudetendeutschen machen müsse.

Mai
3. 5. Hitler trifft zu einem Staatsbesuch in Rom ein, wo er von Mussolini und König Viktor Emanuel III. empfangen wird. Mussolini erklärt die Alpen zur natürlichen Grenze der beiden Interessensphären. Hitler akzeptiert den Verbleib Südtirols bei Italien.
4. 5. Der Publizist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky stirbt während seiner Gefangenschaft in einem Berliner Sanatorium.
6. 5. In der Carnegie Hall in New York fordert der Schriftsteller Thomas Mann den Sieg der Demokratie über den Nationalsozialismus.
11. 5. In Rom verurteilt Papst Pius XI. (1857-1939) die Rassenlehre. Während des Hitler-Besuchs hat er Rom verlassen.
21. 5. Wegen deutscher Truppenbewegungen an der Grenze mobilisiert die tschechoslowakische Regierung Teile ihrer Armee. Als sich Frankreich, Großbritannien und Polen in die Krise einschalten, dementiert Ribbentrop einen Truppenaufmarsch.
In Paris hat das Theaterstück "Furcht und Elend des Dritten Reiches" von Bertolt Brecht Premiere.
24. 5. Österreichs Länder werden in Gauverwaltungen zusammengefaßt.
26. 5. Vor einem Massenaufgebot von 70.000 Menschen legt Hitler den Grundstein für den Bau des Volkswagenwerks in der Nähe des Dorfs Wolfsburg. Hier soll das größte Automobilwerk der Welt entstehen und ein Auto für die NS-Organisation "Kraft durch Freude", der von Ferdinand Porsche (1875-1951) entwickelte KdF-Wagen, produziert werden.
31. 5. Vom NS-Regime als "entartet" eingestufte Kunstwerke können ab sofort entschädigungslos enteignet werden.

Juni
1. 6. In Paris wird der österreichische Dramatiker Horvath von einem herabfallenden Ast auf den Champs-Elysées erschlagen.
3. 6. Martin Bormann wird von Hitler zu seinem Adjutanten und Leiter seiner Privatkanzlei ernannt.
Im Alter von 82 Jahren verläßt der Psychologe Sigmund Freud Wien und emigriert nach London.
12. 6. Mit Reichsjugendführer Baldur von Schirach und Innenminister Wilhelm Frick wird in Schlochau (Westpreußen) die Grundsteinlegung für das erste von über 550 neuen Heimen für die Hitler-Jugend (HJ) gefeiert.
14. 6. Die Bauarbeiten zur Umgestaltung Berlins durch Monumentalbauten unter der Leitung von Albert Speer beginnen.
17. 6. Die IG Farben, die eng in die wirtschaftliche Planung des NS-Staats einbezogen ist, steigert nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden Carl Bosch weiterhin ihr Wachstum.
18. 6. Im Deutschen Reich endet eine Verhaftungswelle gegenüber arbeitsfähigen Männern, die als "asozial" eingestuft wurden, zumeist Bettler und Vorbestrafte. Zuvor hatte der Chef des Sicherheitsdienstes (SD), Reinhard Heydrich, für jeden Polizeibezirk eine Zahl von festzunehmenden Personen verfügt. Hintergrund ist die Beschaffung von Arbeitskräften für den Vierjahresplan.
19. 6. In Paris wird Titelverteidiger Italien durch einen 4:2-Erfolg über Ungarn zum zweiten Mal Fußballweltmeister.
22. 6. Göring ordnet zur Erfüllung des Vierjahresplans Zwangsarbeitsverpflichtungen an, um den Bau des Westwalls an der Grenze zu Frankreich voranzutreiben.
In einem Weltmeisterschaftskampf schlägt Joe Louis seinen Herausforderer Max Schmeling schon in der ersten Runde k.o.

Juli
1. 7. Die Arbeitszeit von Beamten wird auf 51 Stunden, in Großstädten auf 48,5 Stunden erhöht.
3. 7. Die Fußballmannschaft von Hannover 96 wird durch ein 4:3 nach Verlängerung gegen Schalke 04 Deutscher Meister.
6. 7. Hitler beauftragt Speer mit dem Bau der Volkswagenstadt (heute: Wolfsburg).
14. 7. Nach knapp vier Tagen beendet der amerikanische Millionär Howard Hughes (1905-1976) seinen Rundflug um die Erde in New York.
24. 7. Am Ebro beginnt die Großoffensive der spanischen Republikaner, die jedoch nach wenigen Tagen aufgrund der faschistischen Lufthoheit mit der deutschen "Legion Condor" gestoppt wird.
Dem Bergsteiger Heinrich Harrer gelingt mit seiner Seilschaft die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand.
25. 7. Alle jüdischen Ärzte verlieren ihre Approbation und damit die Möglichkeit, weiter als zugelassene Ärzte zu arbeiten. Einigen wenigen bleibt lediglich die Versorgung jüdischer Patienten als "Krankenbehandler" gestattet.

August
1. 8. Mit einem neuen Eherecht wird die Ehe an bevölkerungspolitische Ziele gekoppelt. Demnach ist Kinderlosigkeit ein Scheidungsgrund.
Die Sparaktion für den KdF-Wagen wird eröffnet: Mit 5 Reichsmark (RM) pro Woche soll das 990 RM teure Auto für eine breite Käuferschicht attraktiv werden.
2. 8. In der Berliner Deutschlandhalle wird eine Propagandakundgebung anläßlich des Richtfests für den monumentalen Bau der Neuen Reichskanzlei begangen.
8. 8. Im oberösterreichischen Mauthausen beginnt der Bau des ersten KZ in Österreich.
15. 8. Der britische Luxusdampfer "Queen Mary" erringt das "Blaue Band" für die schnellste Atlantiküberquerung.
17. 8. Hitler regelt die Stellung der Schutzstaffel (SS) gegenüber Wehrmacht und Polizei: Sie wird als bewaffnete Truppe Hitler direkt unterstellt.
19. 8. Die katholischen Bischöfe verabschieden in Fulda einen Hirtenbrief gegen die scharfe Antikirchenpolitik des NS-Regimes.
20. 8. In London endet die Ausstellung "Entartete Kunst" mit Werken von in Deutschland verfemten Künstlern.

September
1. 9. Italien verbietet die Neuansiedlung von Juden und ordnet die Ausweisung von nach 1918 eingewanderten Juden an. In der Folgezeit werden weitere antijüdische Gesetze erlassen.
5. 9. Der tschechoslowakische Staatspräsident Eduard Beneš (1884-1948) macht dem sudetendeutschen Führer Henlein auf britischen Druck weitreichende Konzessionen für den Autonomiestatus der deutschen Minderheit.
Mit der Ausbürgerungsliste Nr. 51 verlieren u.a. Erich Maria Remarque, Bruno Frank (1887-1945) und Willy Brandt ihre deutsche Staatsangehörigkeit.
Für den Reichsparteitag "Großdeutschland" werden Krone und Insignien des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation aus Wien nach Nürnberg gebracht.
13. 9. Henlein bricht die Verhandlungen mit der tschechoslowakischen Regierung ab, nachdem Hitler auf dem Reichsparteitag seine Unterstützung für die Sudetendeutschen erklärt hat.
16. 9. Die Sudetendeutsche Partei (SdP) wird verboten. Einen Tag später gründet Henlein das Sudetendeutsche Freikorps.
24. 9. Wegen der Krise in der Tschechoslowakei reist der britische Ministerpräsident Chamberlain zum zweiten Mal innerhalb von zehn Tagen nach Deutschland. Hitler fordert die Abtretung des Sudetengebiets bis Ende des Monats.
25. 9. Die tschechoslowakische Regierung lehnt das Ultimatum zur Abtretung des Sudetengebiets ab. Währenddessen nehmen die Schießereien an der Grenze und die Hetzkampagne in der deutschen Presse gegen die Tschechoslowakei zu. In Frankreich und Großbritannien beginnen Vorbereitungen für den Kriegszustand.
27. 9. Im britischen Clydebank läuft die "Queen Elizabeth" vom Stapel. Der Luxusdampfer für 2.300 Passagiere ist das größte Schiff der Welt.
28. - 30. 9. Münchner Konferenz: Ein Krisentreffen von Hitler, Mussolini, Daladier und Chamberlain versucht den drohenden Krieg des Deutschen Reichs gegen die Tschechoslowakei abzuwenden. Die Beteiligung der tschechoslowakischen Delegation an den Beratungen wird von Hitler strikt abgelehnt. Die Westmächte geben nach und stimmen der Abtretung des Sudetengebiets zum 1. Oktober zu. Für die Regierung in Prag ist das Münchener Abkommen die "Wahl zwischen Ermordung und Selbstmord."

Oktober
1. 10. Die Wehrmacht marschiert in das Sudetengebiet ein. Damit setzt die Auflösung der Tschechoslowakei ein: Einen Tag später wird einem polnischen Ultimatum entsprechend das Olsagebiet an Polen abgetreten. Kurz darauf tritt Präsident Beneš zurück. Die Slowaken ernennen eine eigene Teilregierung.
5. 10. Die Pässe von deutschen Juden werden von nun an mit einem großen "J" gestempelt.
17. 10. Tod des sozialdemokratischen Politikers Karl Kautsky im Amsterdamer Exil.
24. 10. Tod des Bildhauers Ernst Barlach in Rostock.
25. 10. Die Deutschen werden über den Rundfunk erstmals über den Bau des Westwalls informiert.
28. 10. Die deutsche Regierung schiebt 15.000 Juden ab. Vom NS-Regime als "polnischstämmig" bezeichnet, werden sie gewaltsam nach Polen abgeschoben. Es handelt sich um staatenlose Juden und um Juden mit deutscher Staatsangehörigkeit.
30. 10. Einweihung des Mittellandkanals, mit dem ein Wasserweg zwischen Rhein und Elbe geschaffen wird.
Die Rundfunkausstrahlung des Hörspiels "Invasion vom Mars" von Orson Welles (1915-1985) löst eine Massenpanik in New Jersey (USA) aus.

November
7. 11. In Paris verübt der 17jährige Herschel Grynszpan ein Attentat auf den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath und verletzt ihn schwer. Er reagiert damit auf die Ausweisung seiner Eltern aus Deutschland nach Polen.
9. 11. Ernst vom Rath erliegt seinen Verletzungen. Kampftruppen der Sturmabteilung (SA) und der SS veranstalten ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung in ganz Deutschland. Mit systematischen Mißhandlungen und Morden werden Juden terrorisiert, über 25.000 werden in Konzentrationslager gebracht. Zahlreiche Synagogen, Friedhöfe und jüdische Geschäfte werden in der sogenannten Reichskristallnacht zerstört.
12. 11. Die Reichsregierung beschließt die vollständige Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben und weitere Beschränkungen ihres Alltagslebens. Außerdem werden sie zu einer sogenannten Entschädigungszahlung in Höhe von 1 Milliarde Reichsmark für die Judenpogrome drei Tage zuvor verurteilt.
15. 11. In Spanien werden die auf seiten der Republikaner kämpfenden Internationalen Brigaden aufgelöst. Damit beginnt die Endphase des Spanischen Bürgerkriegs.
20. 11. Die für politische Straftaten an den Oberlandesgerichten eingerichteten Sondergerichte sind auch für kleinere Straftaten zuständig und können politische Soforturteile fällen.
23. 11. In der Freien Stadt Danzig werden die "Nürnberger Gesetze" eingeführt.

Dezember
2. 12. Hitler propagiert die komplette Einbindung aller deutschen "Volksgenossen" in die Partei- und Staatsorgane und betont: "Sie werden nicht wieder frei ihr ganzes Leben."
3. 12. Polizeichef Heinrich Himmler entzieht allen Juden den Führerschein.
6. 12. Außenminister Ribbentrop unterzeichnet in Paris einen Nichtangriffsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich.
14. 12. Der Sicherheitsdienst (SD) unter Heydrich wird zum alleinigen Abwehrdienst der NSDAP gemacht.
15. 12. Über 3.000 km des Reichsautobahnnetzes sind fertiggestellt. Auch die Strecke Berlin-München ist fertig.
16. 12. Für die Geburt von vier Kindern erhalten Frauen ab sofort das Mutterkreuz.
22. 12. Dem Chemiker Otto Hahn gelingt in Berlin erstmals ein experimenteller Nachweis für die Kernspaltung.
24. 12. Wegen Überfüllung der KZ wendet sich Heydrich gegen unbegründete Festnahmen im Sudetengebiet.

Außerdem:
Jean Anouilh: Die Wilde (Drama)
Sergej Eisenstein (1898-1948): Alexander Newski (Film)
Hans Fallada: Der eiserne Gustav (Roman)
Ödön von Horvath: Ein Kind unserer Zeit (Roman)
Käthe Kollwitz: Turm der Mütter
Heinrich Mann: Die Vollendung des Königs Henri Quatre (Roman)
Jean-Paul Sartre: Der Ekel (Roman)
Jerome Siegel (1914-1996): Superman (Comic)
Richard Strauss: Daphne (Oper)
Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens (Roman)

(mw)

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