Chronik 1916

JANUAR
  • 1. 1.
    Gründungskonferenz der "Gruppe Internationale", einer Oppositionsgruppe innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), unter Karl Liebknecht.
  • 7. 1.
    In Berlin wird die "Deutsche Kriegs-Ausstellung" eröffnet, in der Beutestücke von allen Fronten gezeigt werden.
  • 13. 1.
    Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg kündigt bei der Eröffnung des Preußischen Landtages eine Reform des Dreiklassenwahlrechts für die Zeit nach dem Krieg an.
  • Liebknecht und Otto Rühle (1874-1943) geben ihren Austritt aus der Reichstagsfraktion der SPD bekannt.
  • 15. 1.
    Erster "Balkanexpress" fährt von Berlin nach Konstantinopel (heute: Istanbul).
  • 24. 1.
    In Großbritannien wird die Wehrpflicht für alle ledigen Männer zwischen 18 und 41 Jahren eingeführt.
  • 25. 1.
    Das Königreich Montenegro kapituliert nach einer dreiwöchigen Offensive der österreich-ungarischen Armee.
  • 27. 1.
    Gründung des Spartakusbunds unter Liebknecht und Rosa Luxemburg in Berlin.
FEBRUAR
  • 2. 2.
    Zar Nikolaus II. ernennt Boris Stürmer (1848-1917) zum neuen Ministerpräsidenten, nachdem dessen Vorgänger Iwan Goremykin (1839-1917) sich mit den bürgerlichen Parteien überworfen hatte.
  • 5. 2.
    Hugo Ball (1886-1927) eröffnet in Zürich das "Cabaret Voltaire". Beginn des Dadaismus.
  • 21. 2. - 21. 7.
    Mit massivem Materialeinsatz geführte Schlacht bei Verdun soll Frankreich "ausbluten" lassen. Erstmaliger Einsatz von deutschen Flugzeugen in geschlossenen Kampfgeschwadern.
  • 25. 2.
    General Henri Philippe Pétain übernimmt den Oberbefehl über die französischen Truppen bei Verdun.
  • 28. 2.
    Tod des amerikanischen Schriftstellers Henry James (1848-1916) in Chelsea (London).
  • 29. 2.
    Beginn des verschärften U-Boot-Kriegs: Mit Geschützen bestückte Handelsschiffe werden wie feindliche Kriegsschiffe behandelt.
MÄRZ
  • 2. 3.
    Ein geheimer Erlass des Kriegsministeriums sieht für preußische Schulen Wehrerziehung im Unterricht vor.
  • 4. 3.
    Tod des Malers Franz Marc (gefallen bei Verdun).
  • 6. 3.
    Großadmiral Alfred von Tirpitz und der Chef des Generalstabs, Erich von Falkenhayn, fordern den "uneingeschränkten U-Boot-Krieg": Kaiser Wilhelm II. entscheidet sich wegen des möglichen Kriegseintritts der USA dagegen.
  • 9. 3.
    Deutsche Kriegserklärung an Portugal aus Anlaß der Beschlagnahme deutscher Schiffe.
  • 12. 3.
    Einführung von Butterkarten in Groß-Berlin: Erwachsene erhalten 125 g pro Woche, Kinder bis zu 14 Jahren 62,5 g.
  • Tod der Schriftstellerin Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach in Wien.
  • 15. 3.
    Rücktritt von Tirpitz als Staatssekretär des Reichsmarineamtes. Sein Nachfolger wird Admiral Eduard von Capelle (1855-1931).
  • 16. 3.
    Im Preußischen Abgeordnetenhaus fordert der SPD-Abgeordnete Liebknecht die Verbrüderung von deutschen mit englischen und französischen Soldaten im Kampf gegen den Kapitalismus. Ihm wird das Wort entzogen.
  • 24. 3.
    Hugo Haase und weitere 18 oppositionelle Abgeordnete der SPD stimmen gegen den "Not-Etat" der Reichsregierung für die Monate April bis Juni.
  • Haase tritt aus der SPD-Reichstagsfraktion aus und gründet die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft (SAG).
  • 25. 3.
    Haase tritt vom Parteivorsitz der SPD zurück. Alleiniger Parteiführer wird der 1913 mit Haase gemeinsam zum Vorsitzenden gewählte Friedrich Ebert.
  • 28. 3.
    An der Ententekonferenz in Paris zur Koordination der Kriegführung nehmen Vertreter aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Portugal, Rußland und Serbien teil.
APRIL
  • 10. 4.
    Auf einem Kongress der französischen Sozialisten lehnt die Mehrheit eine Wiederaufnahme der Beziehungen zu den deutschen Sozialdemokraten ab.
  • 20. 4.
    Die USA drohen mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen, falls Deutschland den U-Boot-Einsatz gegen Handelsschiffe fortsetzt.
  • 24. 4.
    "Osteraufstand" der irischen Unabhängigkeitsbewegung in Dublin und Ausrufung der irischen Republik. Die britische Armee schlägt den Aufstand nieder.
  • 29. 4.
    Das seit über drei Monaten eingeschlossene britische Expeditionskorps kapituliert bei Kut-el-Amara (Irak) vor den osmanischen Truppen.
  • Als Anerkennung der Kriegsleistungen der Firma Krupp verleiht Wilhelm II. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach das Eiserne Kreuz I. Klasse.
MAI
  • 1. 5.
    Verhaftung Liebknechts auf einer von ihm organisierten Anti-Kriegs-Kundgebung auf dem Potsdamer Platz in Berlin.
  • 4. 5.
    Die Reichsregierung sichert den USA zu, zu den völkerrechtlichen Regeln des Seekriegs zurückzukehren, falls auch Großbritannien sich zur Einhaltung des Völkerrechts verpflichte ("Hungerblockade").
  • 11. 5.
    Rücktritt von Reichsinnenminister Clemens von Delbrück (1856-1921).
  • Tod des Komponisten Max Reger (1873-1916) in Leipzig.
  • 15. 5.
    US-Truppen besetzen die Dominikanische Republik wegen anhaltender Unruhen um das Präsidentenamt.
  • 17. 5.
    Großbritannien weitet die allgemeine Wehrpflicht auch auf die verheirateten Männer zwischen 18 und 41 Jahren aus und baut damit die größte Armee seiner Geschichte auf.
  • 19. 5.
    Im "Sykes-Picot-Abkommen" verständigen sich Großbritannien und Frankreich über die Aufteilung des Osmanischen Reichs.
  • 22. 5.
    Gründung des Kriegsernährungsamts zur Sicherstellung der Lebensmittelversorgung.
  • 27. 5.
    In einer Rede erklärt der amerikanische Präsident Woodrow Wilson seine Vorstellung von einer künftigen Weltfriedensordnung mit Selbstbestimmungsrecht für alle Völker.
  • 30. 5.
    In Preußen werden für 1916 die Einkommenssteuern erhöht.
  • 31. 5. - 1. 6.
    Die Seeschlacht vor dem Skagerrak zwischen der englischen und der deutschen Hochseeflotte gilt als deutscher Erfolg, erbringt aber keine Veränderung der strategischen Lage.
  • Tod des Schriftstellers Gorch Fock (gefallen in der Seeschlacht vor dem Skagerrak).
JUNI
  • 1. 6.
    In Galizien starten russische Truppen unter General Alexej A. Brussilow (1853-1926) zur Entlastung der Alliierten in den Schlachten bei Verdun und an der Somme eine Großoffensive gegen Österreich. Sie erzielen tiefe Einbrüche.
  • 3. 6.
    Die USA beschließen eine Aufstockung ihrer Armee auf zunächst 175.000 und innerhalb von fünf Jahren auf 223.000 Mann.
  • 5. 6.
    Auf einer diplomatischen Reise nach Rußland kommt Kriegsminister Lord Horatio H. Kitchener beim Untergang des Panzerkreuzers "Hampshire", der westlich der Orkney-Inseln auf eine deutsche Mine läuft, ums Leben.
  • 6. 6.
    Beginn des arabischen Aufstandes gegen die türkische Herrschaft.
  • 12. 6.
    Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Antonio Salandra (1853-1931) nach einer erfolgreichen Offensive Österreich-Ungarns. Nachfolger wird der 78jährige Paolo Boselli (1838-1932), der eine breite Mehrparteienregierung bildet.
  • 18. 6.
    Tod des ehemaligen Chefs des Generalstabs Helmuth von Moltke in Berlin.
  • Das "Fliegeras" Max Immelmann kommt bei einem Luftgefecht über Nordfrankreich ums Leben.
  • 20. 6.
    Tod des Schriftstellers Reinhard Johannes Sorge (1892-1916), der bei Ablaincourt an der Somme fällt.
  • 24. 6. - 26. 11.
    Schlacht an der Somme, in der die britisch-französischen Fliegerstreitkräfte schnell die Lufthoheit gewinnen.
  • 28. 6.
    Unter Verlust seines Reichstagsmandats wird Liebknecht wegen Hochverrats zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. In der Berufungsinstanz wird die Strafe auf vier Jahre und einen Monat erhöht.
  • Massenstreiks in Berlin, Braunschweig und Bremen.
JULI
  • 1. 7.
    Im Deutschen Reich wird die Tabaksteuer angehoben. Zigaretten verteuern sich um 100 Prozent.
  • 3. 7.
    Russisch-japanisches Geheimbündnis mit Spitze gegen USA und Großbritannien als spätere Gegner.
  • 7. 7.
    Der bisherige Munitionsminister David Lloyd George wird neuer britischer Kriegsminister.
  • 10. 7.
    Einrichtung der Großküche einer Berliner Markthalle, die 30.000 Menschen täglich mit warmem Essen versorgen kann.
  • 11. 7.
    Wegen pazifistischer Aufrufe zur Kriegsdienstverweigerung wird der britische Mathematiker und Philosoph Sir Bertrand Russell (1872-1970) von seinem Lehrstuhl an der Universität Cambridge verwiesen.
  • 14. 7.
    Der französische Präsident Raymond Poincaré fordert die Rückgabe von Elsaß-Lothringen als Vorbedingung für einen Waffenstillstand.
  • 23. 7.
    Der russische Außenminister Sergej Sasonow (1860-1927) erklärt seine Demission, weil er Rumänien nicht zum Kriegseintritt auf Rußlands Seite bewegen kann. Sein Amt übernimmt Ministerpräsident Stürmer.
AUGUST
  • 1. 8.
    Die Post- und Telegraphengebühren werden im Deutschen Reich um bis zu 50 Prozent angehoben.
  • 8. 8.
    Im Verlauf der sechsten Isonzoschlacht erobern italienische Truppen die Stadt Görz und erzielen damit ihren ersten größeren Erfolg an dieser Front.
  • Tod der Frauenrechtlerin Lily Braun in Berlin.
  • 12. 8.
    Bethmann Hollweg und der österreich-ungarische Außenminister Stephan Freiherr Burián von Rajezc (1851-1922) beschließen die Gründung eines polnischen Staates, der als "Puffer" zwischen dem Deutschen Reich sowie Österreich-Ungarn und Rußland dienen soll.
  • 17. 8.
    Die Alliierten sagen Rumänien den Erwerb von Siebenbürgen, der Bukowina und von Teilen des Banats zu.
  • 27. 8.
    Rumänische Kriegserklärung an Österreich-Ungarn. Danach Kriegserklärung der Mittelmächte an Rumänien.
  • 28. 8.
    Kriegserklärung Italiens an das Deutsche Reich.
  • 29. 8.
    Wegen der Lage an der Westfront und des Kriegseintritts Rumäniens wird Falkenhayn als Generalstabschef abgelöst. Die neue, 3. Oberste Heeresleitung (OHL) wird von Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff gebildet.
SEPTEMBER
  • 14. 9.
    Die Münchener Secession eröffnet zu Ehren des am 4. März 1916 gefallenen Malers Franz Marc eine Sonderausstellung.
  • 15.9.
    Erster Einsatz britischer Tanks (Panzer) an der Somme-Front.
  • 16. 9.
    Beginn der zweiten Brussilow-Offensive zwischen Karpaten und Wolhynien. Sie dauert bis Oktober und wird abgewehrt.
  • 19. 9.
    Der französische Ministerpräsident Aristide Briand erklärt im Abgeordnetenhaus unter begeisterter Zustimmung seiner Zuhörer, daß jegliche Verhandlung mit Deutschland "entwürdigend und ehrlos" sei.
  • 20. 9.
    Die erste Ausgabe der "Spartacus-Briefe" mit Artikeln gegen den Krieg erscheint illegal in Berlin.
  • 26. - 29. 9.
    Die Rumänen werden in der Schlacht bei Hermannstadt entscheidend geschlagen.
  • 28. 9.
    Der britische Kriegsminister Lloyd George betont in einem Interview den Willen Großbritanniens zur Fortsetzung des Krieges bis zur deutschen Niederlage ("knock-out").
OKTOBER
  • 2. 10.
    Einführung der Reichsfleischkarte (250 g pro Woche) im Deutschen Reich.
  • 4. 10.
    Uraufführung der Oper "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss in Wien.
  • 11. 10.
    Das preußische Kriegsministerium ordnet an, alle im Heer dienenden und sämtliche ausgemusterten Juden zu erfassen ("Judenzählung"). Vorausgegangen waren Vorwürfe der rechten völkischen Verbände gegen die Kriegsdienstbereitschaft von Juden.
  • 14. 10.
    Eine neue Verordnung für die Kartoffelversorgung tritt in Kraft (750 g pro Tag).
  • 21. 10.
    Der Ministerpräsident von Österreich-Ungarn, Karl Reichsgraf von Stürgkh (1859-1916), wird in einem Wiener Hotel erschossen. Der Täter ist Friedrich Adler, Führer der linken Sozialdemokraten im Reichsrat, der mit dem Mord die Wiedereinberufung des Parlaments erzwingen will.
  • 24. 10. - 16. 12.
    Französische Angriffe führen zur Rückeroberung der verlorenen Festungswerke bei Verdun.
  • 25. 10.
    Der Zentralverband deutscher Industrieller (ZdI), der Bund der Industriellen (BdI) und der Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie bilden den "Deutschen Industrierat".
  • 26. 10.
    Angesichts der Engpässe in der Kartoffelversorgung legt das Kriegsernährungsamt Erzeuger-Höchstpreise für Rüben und Möhren fest.
  • 28. 10.
    Tod des "Fliegerasses" Oswald Boelcke (1891-1916) bei einem Luftgefecht über Nordfrankreich.
  • 30. 10.
    In Petrograd (heute: St. Petersburg) finden die ersten politischen Streiks während des Kriegs statt.
NOVEMBER
  • 5. 11.
    Deutschland und Österreich proklamieren ein selbständiges Königreich Polen.
  • 7. 11.
    Wilson wird mit knapper Mehrheit erneut zum Präsidenten der USA gewählt.
  • 15. 11.
    Protestnote der russischen Regierung an die verbündeten und neutralen Staaten gegen die Proklamation des Königreichs Polen durch die Mittelmächte.
  • 21. 11.
    Tod des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. in Wien. Sein Nachfolger Karl I. strebt einen Sonderfrieden für Österreich-Ungarn an.
  • 22. 11.
    Freitod des amerikanischen Schriftstellers Jack London in Glen Ellen (Kalifornien).
  • 23. 11.
    Der russische Ministerpräsident Stürmer wird durch Alexander F. Trepow (1862-1928) ersetzt. Doch auch diese Maßnahme kann die innenpolitische Lage nicht entspannen.
  • 28. 11.
    Einstellung der Kämpfe an der Somme ohne strategisch bedeutsame Durchbrüche.
DEZEMBER
  • 1. - 5. 12.
    Im Feldzug gegen Rumänien wird in der Schlacht am Argesfluß der letzte Widerstand gebrochen.
  • 2. 12.
    Gegen die Stimmen der vereinigten SPD-Opposition (SAG) beschließt der Reichstag das " Vaterländische Hilfsdienstgesetz": Jeder männliche Deutsche zwischen 17 und 60 Jahren kann zum Hilfsdienst in der Kriegswirtschaft und an anderen kriegswichtigen Stellen eingezogen werden.
  • 3. 12.
    Nach dem Scheitern der Somme-Offensive wird General Joseph Joffre durch General Georges Robert Nivelle (1858-1924) als Generalissimus ersetzt.
  • 4. 12.
    Alle im Deutschen Reich vorhandenen Kohlrüben werden zur Sicherung der Volksernährung beschlagnahmt (" Kohlrübenwinter").
  • 5. 12.
    Rücktritt des britischen Ministerpräsidenten Herbert H. Asquith nach Auseinandersetzungen über die weitere Kriegführung. Sein Nachfolger wird der bisherige Kriegsminister Lloyd George.
  • 6. 12.
    Einzug der Truppen der Mittelmächte in Bukarest.
  • 12. 12.
    Angebot der Mittelmächte, Verhandlungen über die Beendigung des Kriegs einzuleiten.
  • 18. 12.
    Friedensnote von US-Präsident Wilson, in der er die kriegführenden Staaten zur konkreten Benennung von Bedingungen für Friedensverhandlungen aufruft.
  • 19. 12.
    Tod des Industriellen Fürst Guido Henckel von Donnersmarck in Berlin.
  • 26. 12.
    Als Antwort auf Wilsons Friedensnote regt die deutsche Regierung ein Treffen von Delegationen der kriegführenden Staaten an.
  • 30. 12.
    Die Alliierten lehnen das Friedensangebot der Mittelmächte ab.
  • Ermordung des "Wunderheilers" Grigori J. Rasputin (1872-1916) in Petrograd.
AUßERDEM:
  • Martin Buber: Vom Geist des Judentums (Religionsphilosophische Abhandlung)
  • D. W. Griffith (1875-1948): Intoleranz (Film)
  • Georg Kaiser (1878-1945): Von Morgen bis Mitternachts (Schauspiel)

Dorlis Blume/Martin Winter
31. August 2014

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