Chronik 1926

JANUAR
  • 6. 1.
    Gründung der Deutschen Lufthansa AG durch den Zusammenschluss von Junkers Luftverkehr und Aero Lloyd.
  • 7. 1.
    Einführung von Zugtelephonen auf der Bahnstrecke Berlin-Hamburg.
  • 10. 1.
    Uraufführung des Films "Der Rosenkavalier" von Hugo von Hofmannsthal mit der Musik von Richard Strauss.
  • 14. 1.
    Die amerikanische Tänzerin Josephine Baker (1906-1975) gastiert im Berliner Nelson-Theater.
  • 19. 1.
    Der im Dezember 1925 zurückgetretene Reichskanzler Hans Luther (parteilos) bildet ein neues Kabinett aus Deutscher Demokratischer Partei (DDP), Zentrum und Deutscher Volkspartei (DVP).
  • Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) beschließt, das Volksbegehren gegen die Fürstenenteignung zu unterstützen.
  • 21. 1.
    Tod des Verlegers und Kunsthändlers Paul Cassirer in Berlin.
  • 25. 1.
    Eröffnung des 1.600 Zuschauer fassenden Gloria-Filmpalasts in Berlin.
  • 27. 1.
    Die erste Fernsehübertragung in England findet statt.
  • 29. 1.
    Große Retrospektive des im Juli 1925 verstorbenen Malers Lovis Corinth in der Berliner Nationalgalerie.
  • 31. 1.
    Die letzten französischen und belgischen Truppen verlassen die Kölner Zone.
  • Die italienische Regierung unter Benito Mussolini darf Dekrete mit Gesetzeskraft erlassen.
FEBRUAR
  • 1. 2.
    Nach dem Abzug der Besatzungstruppen finden in Köln, Bonn und anderen Orten Deutschlands "Befreiungsfeiern" statt.
  • 8. 2.
    Das Deutsche Reich beantragt die Aufnahme in den Völkerbund.
  • 13. 2.
    Wegen einer Auseinandersetzung über geplante Steuererhöhungen stellt der französische Ministerpräsident Aristide Briand die Vertrauensfrage, die er mit 327 zu 182 Stimmen für sich entscheidet.
  • 14. 2.
    Auf einer Führertagung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in Bamberg setzt sich Adolf Hitler gegen den linken Parteiflügel um Gregor Strasser durch.
  • 15. 2.
    Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erreicht mit 2,4 Millionen einen neuen Höchststand seit März 1924.
  • 18. 2.
    Die türkische Regierung beschließt, die Polygamie und das Haremssystem abzuschaffen und das Schweizer Bürgerliche Gesetzbuch zu übernehmen.
  • 21. 2.
    An einer Veranstaltung des republiktreuen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in Hamburg nehmen 130.000 Menschen teil.
  • 23. 2.
    Deutsche Premiere des Films "Goldrausch" von Charles Chaplin in Berlin.
MÄRZ
  • 6. 3.
    In Indien bricht am Oberlauf des Ganges eine Pestepidemie aus.
  • 8. 3.
    Eröffnung der 39. Tagung des Völkerbunds in Genf. Wichtigstes Verhandlungsthema ist die Aufnahme Deutschlands.
  • 16. 3.
    Erster erfolgreicher Start einer Flüssigkeitsrakete in den USA.
  • 17. 3.
    In Genf werden die Verhandlungen des Völkerbunds über die Aufnahme Deutschlands abgebrochen. Die Delegierten können sich nicht über die Sitzverteilung im Ständigen Rat einigen. Neben Deutschland, dem im Vertrag von Locarno ein Ratssitz zugesichert worden ist, streben auch andere Länder einen Sitz an.
  • Die Einschreibungsfrist über das Volksbegehren zur Fürstenenteignung läuft ab. Über 12 Millionen Stimmberechtigte haben sich in die Listen eingetragen. Damit sind die für einen Volksentscheid erforderlichen zehn Prozent erreicht.
  • 21. 3.
    An der offiziellen "Befreiungsfeier" im Rheinland nehmen auch Reichspräsident Paul von Hindenburg und der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer teil.
  • 22. 3.
    Angesichts des zunächst gescheiterten Beitritts zum Völkerbund beantragen die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) im Reichstag die Zurücknahme des Aufnahmegesuchs.
  • 23. 3.
    Der Präsident der Reichsbank, Hjalmar Schacht, spricht sich für eine neue Kolonialpolitik aus. Kolonien würden eine Währungsstabilisierung und einen Wirtschaftsaufschwung einleiten. Es könnten neue Rohstoffquellen erschlossen und das Problem der Überbevölkerung gelöst werden.
  • 24. 3.
    Der 1925 uraufgeführte Film "Panzerkreuzer Potemkin" des sowjetischen Regisseurs Sergej M. Eisenstein (1898-1948) wird von der Filmprüfstelle in Berlin wegen Staatsgefährdung verboten.
  • 26. 3.
    Tod des ehemaligen Reichskanzlers Konstantin Fehrenbach in Groß-Flottbeck bei Hamburg.
  • Der Schriftsteller Hans Fallada wird wegen Unterschlagung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Erfahrungen während der Haft gehen in seinen 1934 veröffentlichten Roman "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" ein.
  • 31. 3.
    Verstöße gegen das Republikschutzgesetz werden in Zukunft nicht mehr vor dem Staatsgerichtshof, sondern vor ordentlichen Gerichten verhandelt.
APRIL
  • 3. 4.
    In Italien werden Streiks und Aussperrungen verboten. Mit der zwangsweisen Zusammenfassung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Berufsverbänden wird der Aufbau eines ständisch gegliederten Staatswesens vorangetrieben.
  • 4. 4.
    Tod des Eisen- und Stahlindustriellen August Thyssen (1842-1926) auf Schloss Landsberg.
  • 8. 4.
    Uraufführung des Films "Die Biene Maja und ihre Abenteuer" in Berlin.
  • 10. 4.
    Der Film "Panzerkreuzer Potemkin" wird in einer gekürzten Version wieder freigegeben.
  • 21. 4.
    Rücktritt der polnischen Mitte-Links-Regierung unter Ministerpräsident Alexander Graf Skrzynsky (1842-1926) nach heftigen Auseinandersetzungen im Parlament über die Behebung der katastrophalen Wirtschaftslage.
  • 24. 4.
    Abschluss des deutschen Freundschafts- und Neutralitätsvertrags mit der Sowjetunion auf fünf Jahre ("Berliner Vertrag"). Die deutsch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen werden belebt, die militärische Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Roter Armee wird intensiviert.
  • 25. 4.
    Tod der schwedischen Schriftstellerin, Pädagogin und Frauenrechtlerin Ellen Key in Strand am Vättersee (Schweden).
  • An der Mailänder Scala findet unter Leitung von Arturo Toscanini (1867-1957) die postume Premiere der Oper "Turandot" von Giacomo Puccini (1858-1924) statt.
  • In Teheran wird Resa Pahlawi (1878-1944) zum neuen Schah gekrönt.
  • 29. 4.
    Das Schuldenabkommen zwischen den USA und Frankreich legt die französische Gesamtschuld an die USA auf 4 Milliarden Dollar fest. Das Abkommen wird erst im Juli 1929 vom französischen Parlament ratifiziert.
MAI
  • 1. 5.
    Die Deutsche Lufthansa AG nimmt auf der Strecke Berlin-Königsberg die erste Nachtfluglinie auf. Der Pilot orientiert sich an Signalfeuern.
  • 5. 5.
    Reichspräsident Hindenburg erlässt eine neue Flaggenverordnung, die es deutschen Auslandsvertretungen erlaubt, neben der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge die deutsche schwarz-weiß-rote Handelsflagge zu hissen.
  • 6. 5.
    Nach dem erfolgreichen Volksbegehren zur Fürstenenteignung lehnt der Reichstag den Gesetzentwurf mit 236 zu 142 Stimmen ab. Der Gesetzentwurf kann jetzt nur noch über einen Volksentscheid Rechtskraft erlangen.
  • 7. 5.
    Die Schriftsteller Thomas Mann, Gerhart Hauptmann und Arno Holz erhalten einen Ruf an die neu gegründete Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste in Berlin.
  • 9. 5.
    Zwei amerikanische Piloten überfliegen mit einer dreimotorigen Fokker als erste den Nordpol. Dem norwegischen Forscher Roald Amundsen (1872-1928) und dem italienischen General Umberto Nobile (1885-1978) gelingt drei Tage später der Überflug im Luftschiff "Norge".
  • 12. 5.
    Nach heftigen Debatten um die neue Flaggenordnung stellt die DDP im Reichstag einen Misstrauensantrag gegen Reichskanzler Luther, der mit 177 zu 146 Stimmen angenommen wird. Luther tritt daraufhin zurück.
  • 12.-15. 5.
    Staatsstreich von Marschall Józef Klemens Pilsudski in Polen. Unter Pilsudski vollzieht sich in den nächsten Wochen die Umwandlung des parlamentarischen Systems in ein autokrates Regime.
  • 16. 5.
    Tod des letzten osmanischen Sultans Mehmed VI. (1861-1926) in San Remo (Italien).
  • 17. 5.
    Reichspräsident Hindenburg ernennt Reichsjustizminister Wilhelm Marx (Zentrum) zum neuen Reichskanzler. Die Zusammensetzung der Koalition bleibt unverändert.
  • 19. 5.
    In seiner Regierungserklärung spricht sich Marx für ein Festhalten an der umstrittenen Flaggenverordnung aus.
  • 25. 5.
    Die türkische Regierung beschließt die Einführung des christlichen Gregorianischen Kalenders zum Jahresende. Auf den 31. Dezember 1324 wird unmittelbar der 1. Januar 1927 folgen.
  • 27. 5.
    Hauptmann lehnt seine Aufnahme in die Sektion Dichtkunst der Akademie der Künste ab. Seiner Meinung nach kann es eine "bewusste Führung auf dem Gebiet der Dichtkunst" nicht geben.
  • 30. 5. - 6. 6.
    Der 10. Kongress des Weltbunds für Frauenstimmrecht in Paris berät über die Möglichkeiten zur Durchsetzung der Gleichberechtigung.
  • 31. 5.
    In Polen wird Marschall Pilsudski vom Parlament zum Staatspräsidenten gewählt. Er lehnt jedoch das Amt ab, weil es zu wenige Befugnisse habe.
JUNI
  • 10. 6.
    Tod des katalanischen Architekten Antonio Gaudí y Cornet (1852-1926) in Barcelona (Spanien).
  • 13. 6.
    Mit einem 4:1-Sieg über Hertha BSC Berlin wird die SpVgg Fürth Deutscher Fußballmeister.
  • 15. 6.
    Rücktritt des französischen Ministerpräsidenten Briand, da sich die Regierung nicht auf Maßnahmen zur Behebung der Finanzkrise einigen kann.
  • 16. 6.
    Eine Volkszählung ergibt, dass rund 62 Millionen Einwohner im Deutschen Reich leben, davon 32,2 Millionen Frauen und 30,2 Millionen Männer.
  • 20. 6.
    Beim Volksentscheid zur Fürstenenteignung stimmen mit knapp 14,5 Millionen Stimmberechtigten zwar 36,4 Prozent für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten. Die erforderliche Mehrheit von 50 Prozent wird jedoch nicht erreicht.
  • 23. 6.
    Briand bildet ein neues französisches Kabinett aus linkssozialistischen und demokratischen Parteien.
  • 26. 6.
    Deutschland und Finnland schließen einen Handelsvertrag, in dem sich beide Länder verpflichten, keine Ein- und Ausfuhrverbote zu erlassen.
  • 28. 6.
    Der Reichstag beschließt ein Arbeitsbeschaffungsprogramm zur Senkung der hohen Arbeitslosenzahlen.
  • Die Daimler-Motorengesellschaft Stuttgart-Berlin und die Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim fusionieren zur Daimler-Benz AG.
JULI
  • 2. 7.
    Die Reichsregierung zieht den Gesetzentwurf zur Fürstenabfindung zurück.
  • 4. 7.
    Die NSDAP hält in Weimar den ersten Parteitag nach ihrer Neugründung ab. Thüringen ist eines der Länder, in denen Hitler kein Redeverbot hat.
  • In Berlin wird die Architektenvereinigung "Der Ring" gegründet. Ihr gehören auch Walter Gropius und Mies van der Rohe an.
  • 7. 7.
    Der "Bund deutscher Arbeiterjugend" (später: Hitler-Jugend) wird als Jugendorganisation der nationalsozialistischen Kampfverbände gegründet.
  • 16. 7.
    Die Oberprüfstelle in Berlin verbietet zum zweiten Mal die Aufführung des Films "Panzerkreuzer Potemkin".
  • 17. 7.
    Das französische Kabinett Briand stürzt erneut bei einer Abstimmung über die Behebung der Finanzkrise.
  • 19. 7.
    Truppen der chinesischen Regierung unter Chiang Kai-shek (1887-1975) beginnen zur Einigung Chinas einen Feldzug nach Norden.
  • Bildung einer neuen französischen Regierung unter Édouard Herriot (1872-1957).
  • 21. 7.
    Der neue französische Ministerpräsident Herriot tritt zurück. Ihm ist es nicht gelungen, das Vertrauen des Parlaments zu gewinnen.
  • 23. 7.
    Der ehemalige Staatspräsident Raymond Poincaré bildet eine neue Regierung in Frankreich. Sein Finanzprogramm sieht die Erhöhung der indirekten Steuern vor und erhält die Zustimmung von beiden Kammern des Parlaments.
AUGUST
  • 5. 8.
    Deutschland und Frankreich vereinbaren ein Handelsabkommen.
  • 7. 8.
    Mussolini schließt mit dem spanischen Diktator Miguel Primo de Rivera (1903-1936) ein Freundschaftsbündnis.
  • Die Amerikanerin Gertrud Ederle durchschwimmt als erste Frau den Ärmelkanal. Sie benötigt 14:32 Stunden.
  • 12. 8.
    Die Reichsregierung beschließt, einen neuen Antrag auf Aufnahme in den Völkerbund zu stellen.
  • 22. 8.
    Nach der Entdeckung riesiger Diamantenfelder bei Johannesburg (Südafrika) strömen 50.000 Menschen in das Gebiet.
  • 23. 8.
    Tod des italienisch-amerikanischen Filmschauspielers Rudolph Valentino (1895-1926) in New York.
  • 24. 8.
    Max Schmeling wird Deutscher Boxmeister im Halbschwergewicht.
SEPTEMBER
  • 1. 9.
    Die I.G. Farben übernimmt die Erdöl- und Kohleverwertung AG und wird damit zur größten deutschen Aktiengesellschaft.
  • 3. 9.
    In Berlin wird anlässlich der dritten Deutschen Funkausstellung der 138 Meter hohe Funkturm eingeweiht.
  • 7. 9.
    Europäische Uraufführung des amerikanischen Films "Ben Hur" von Fred Niblo (1874-1948) in Berlin.
  • 8. 9.
    Einstimmige Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund mit einem ständigen Ratssitz. Das Deutsche Reich lehnt es ab, einen militärischen Beitrag gegen die Sowjetunion zu leisten.
  • 11. 9.
    Spanien tritt aus dem Völkerbund aus.
  • 17. 9.
    Außenminister Gustav Stresemann und sein französischer Kollege Briand konferieren unter Ausschluss der Presse in Thoiry über die deutsch-französischen Beziehungen. Erörtert werden die Räumung des Rheinlands, die Freigabe der Kohlegruben im Saargebiet und die Möglichkeit der Überweisung von Reichsbahnobligationen zur Linderung der französischen Finanzkrise.
  • 23. 9.
    Bei der Boxweltmeisterschaft in Philadelphia besiegt vor 120.000 Zuschauern der Herausforderer Gene Tunney (1898-1978) den amtierenden Weltmeister Jack Dempsey (1894-1984).
  • 25. 9.
    Uraufführung des Schauspiels "Mann ist Mann" von Bertolt Brecht in Darmstadt und Düsseldorf.
  • 29. 9.
    Presseberichten zufolge hat Prinz Wilhelm von Preußen, ältester Enkel von Ex-Kaiser Wilhelm II., im August an einem Reichswehrmanöver teilgenommen. Die formal unzulässige Teilnahme eines Angehörigen des Hauses Hohenzollern am Manöver stößt auf Kritik.
OKTOBER
  • 1. 10.
    In Berlin werden an mehreren Kreuzungen die ersten Verkehrsampeln in Betrieb genommen.
  • 2. 10.
    Die Filmprüfstelle in Berlin gibt den Film "Panzerkreuzer Potemkin" in seiner gekürzten Fassung endgültig frei. Lediglich in Bayern bleibt er verboten.
  • In Polen wird Pilsudski zum Ministerpräsidenten ernannt.
  • 5. 10.
    Der preußische Innenminister Carl Severing (SPD) tritt aus Gesundheitsgründen zurück. Sein Nachfolger wird der bisherige Berliner Polizeipräsident Albert Grzesinski (1879-1947).
  • 7. 10.
    Die faschistische Partei Italiens setzt sich mit dem Staat gleich. Alle anderen politischen Gruppen werden von der Macht ausgeschlossen.
  • 8. 10.
    Der Chef der Heeresleitung, General Hans von Seeckt, tritt wegen der Affäre um die Teilnahme Prinz Wilhelms an einem Reichswehrmanöver von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger wird General Wilhelm Heye (1869-1946).
  • 14. 10.
    Uraufführung des Films "Faust" von Friedrich Wilhelm Murnau in Berlin.
  • 15. 10.
    Durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm ist es der Reichsregierung gelungen, die Arbeitslosenzahl von 2,4 Millionen im Februar auf 1,24 Millionen zu senken.
  • 19. 10. - 18. 11.
    Empire-Konferenz in Großbritannien. Die britischen Kolonien erhalten die Selbstverwaltung. Das britische Weltreich wird in das "Commonwealth of Nations" umgewandelt.
  • 22. 10.
    Uraufführung des Schauspiels "Lulu" von Frank Wedekind. Das Stück fasst die Dramen "Erdgeist" und "Die Büchse der Pandora" zusammen.
  • 23. 10.
    Der sowjetische Revolutionär Leo D. Trotzki wird wegen seiner oppositionellen Politik gegen Josef W. Stalin aus dem Politbüro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) ausgeschlossen.
  • 30. 10.
    Der Berliner Theaterregisseur Max Reinhardt feiert sein 25jähriges Bühnenjubiläum und wird mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt.
NOVEMBER
  • 1. 11.
    Joseph Goebbels wird Gauleiter der NSDAP in Berlin-Brandenburg. Er soll das "rote Berlin" für die Nationalsozialisten gewinnen.
  • 9. 11.
    Uraufführung der Oper "Cardillac" von Paul Hindemith in Dresden. 
  • 13. 11.
    Der Reichstag verabschiedet ein Gesetz, das die Erhöhung der Arbeitslosenfürsorge um 10 bis 15 Prozent vorsieht.
  • 20. 11.
    Uraufführung des Schauspiels "Dorothea Angermann" von Gerhart Hauptmann in Wien, Düsseldorf, München und Leipzig.
  • 21. 11.
    Das Gesetz über die Erhöhung der Arbeitslosenfürsorge tritt in Kraft. Es verpflichtet die Gemeinden zur Unterstützung von Arbeitslosen, die kein Arbeitslosengeld erhalten.
  • 22. 11.
    Der Kurt Wolff Verlag in München veröffentlicht den Roman "Das Schloß" von Franz Kafka.
  • 25. 11.
    Durch Aberkennung der Mandate von oppositionellen Politikern wird Italien faktisch zum Einparteienstaat.
  • 27. 11.
    Uraufführung der Oper "Orpheus und Eurydike" von Ernst Krenek (1900-1991). Das Libretto schrieb der Maler und Schriftsteller Oskar Kokoschka.
  • 28. 11.
    Während eines Aufmarsches des sozialdemokratischen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Berlin kommt es zu Zusammenstößen mit Nationalsozialisten.
DEZEMBER
  • 3. 12.
    Der Reichstag nimmt mit 248 gegen 158 Stimmen das Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften an, das Jugendliche vor pornographischen Schriften schützen soll. Die Gegner lehnen das Gesetz als Eingriff in die Freiheit der Kunst ab.
  • Die britische Zeitung "Manchester Guardian" druckt eine Artikelserie über die illegale Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Roter Armee. Es sei bekannt geworden, dass in der Sowjetunion die in Deutschland verbotene Produktion von Militärflugzeugen aufgenommen werden solle.
  • 4. 12.
    Das neuerrichtete Bauhaus von Gropius in Dessau wird eingeweiht. Neben dem Neubau der Hochschule ist auch eine Mustersiedlung entstanden.
  • 6. 12.
    Im Münchner Franz Eher Verlag erscheint der zweite Band von Hitlers Schrift "Mein Kampf".
  • Tod des französischen Malers Claude Monet (1840-1926).
  • 10. 12.
    Die Außenminister Deutschlands und Frankreichs, Stresemann und Briand, erhalten den Friedensnobelpreis als Auszeichnung für ihre Bemühungen um die Verständigung zwischen beiden Ländern.
  • 16. 12.
    Im Reichstag erhebt der SPD-Abgeordnete Philipp Scheidemann heftige Vorwürfe gegen die Militärpolitik der Reichsregierung. Er kritisiert die Reichswehr wegen der finanziellen Unterstützung durch die Großindustrie, wegen ihrer Verbindungen zu rechtsgerichteten Kampfverbänden sowie ihrer anhaltenden Zusammenarbeit mit der Roten Armee.
  • 17. 12.
    Ein Misstrauensantrag der SPD wird im Reichstag mit 249 gegen 171 Stimmen angenommen. Das Kabinett Marx tritt zurück.
  • Das litauische Militär verübt einen Staatsstreich: Das Parlament wird von Truppen umstellt, das Präsidium des Landtags verhaftet. Über Litauen wird der Kriegszustand verhängt. Die Putschisten begründen ihren Staatsstreich mit der sowjetfreundlichen Politik des alten Kabinetts.
  • Uraufführung des Films "Der heilige Berg" mit Luis Trenker (1892-1990) und Leni Riefenstahl in den Hauptrollen.
  • 25. 12.
    Tod des japanischen Kaisers Joschihito (1879-1926). Neuer Tenno wird sein Sohn Hirohito (1901-1989).
  • 29. 12.
    Tod des Dichters Rainer Maria Rilke in Val-Mont bei Montreux (Schweiz).
AUßERDEM:
  • Walt Disney (1901-1966): Erster Mickey-Mouse-Zeichentrickfilm
  • Hans Grimm (1875-1959): Volk ohne Raum (Politischer Roman)
  • Ernest Hemingway (1899-1961): Fiesta (Roman)
  • Alan Alexander Milne (1882-1956): Pu der Bär (Kinderbuch)
  • Arthur Schnitzler: Traumnovelle (Erzählung)

Dorlis Blume/Manfred Wichmann
9. Mai 2015

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