1918-33

[Postkarte: Lucia Moholy "Doppelwohnhaus der Bauhaus-Meistersiedlung Dessau", 1926]

[Broschüre: "Die Wohnung für das Existenzminimum...", 1930]







Das Bauhaus


1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus - eine Schule für Architekten, Künstler und Designer, an der Modernität und Funktionalität proklamiert und neue Produktionsformen erprobt wurden. Hier konnten Künstler mit avantgardistischen Visionen experimentieren und eine neue, zeitgemäße Formensprache entwickeln.

Nach Querelen mit der neuen, konservativen thüringischen Regierung musste das Bauhaus 1925 seinen Sitz nach Dessau verlegen. Gropius entwarf für diesen Standort ein Gebäude, das im Dezember 1926 bezogen wurde. Gleichzeitig entstanden die vier sogenannten Meisterhäuser mit Wohn- und Arbeitsräumen für die Lehrkräfte und der erste Abschnitt (60 Häuser) der Siedlung Dessau-Törten, ebenfalls nach Entwürfen von Gropius. Das Bauhausgebäude mit der markanten verglasten Fassade des Werkstättentrakts wurde sofort als Inbegriff der Moderne, als Umsetzung von Programm und Anspruch dieser jungen Bildungseinrichtung verstanden. Seine Klarheit, Helligkeit und Funktionalität setzten Maßstäbe für die Architektur des Neuen Bauens. Wichtiger als rein ästhetische Kriterien waren jedoch die sozialpolitischen Forderungen, die an die moderne Architektur gestellt wurden. Angesichts der großen Wohnungsnot in der Weimarer Republik erschien eine Reform des Wohnungsbaus dringend notwendig: Allein in Berlin fehlten im Jahr 1925 rund 100.000 Wohnungen.

Rationellere Bauweisen und neue Finanzierungsformen wie die Hauszinssteuer sollten das Bauen verbilligen. In Großsiedlungen entstanden oft mehrere Tausend kleiner Wohneinheiten, die die Kriterien der Wohnungsreformer erfüllten. Begrüntes Umfeld, ausreichende Belichtung und moderne sanitäre Ausstattung hoben sie über den Standard der Altbauten. Das Grundproblem, nämlich die Schaffung von Wohnraum für Minderbemittelte, lösten auch solche Projekte nicht. "Die Wohnung für das Existenzminimum" existierte meist nur auf dem Papier.

Gropius trat 1928 von der Leitung des Bauhauses zurück. Von 1928 bis 1930 leitete es Hannes Meyer (1889-1954), ab 1930 Ludwig Mies van der Rohe. Nach ihrer Machtübernahme zerschlugen die Nationalsozialisten das Bauhaus 1933.

(cj)

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