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Attentate auf Kaiser Wilhelm I.

Als Kaiser Wilhelm I. am Sonntag des 2. Juni 1878 eine Fahrt in offener Kutsche auf der Straße "Unter den Linden" in Berlin unternahm, fielen Schüsse aus dem Fenster des Hauses Nr. 18. Dieses bewohnte der junge Landwirt Dr. Karl Eduard Nobiling (1848 - 1878). Er schoss mit einer Doppelladung Schrot auf den Kaiser und verletzte ihn schwer an Kopf, Arm und Rücken. Wilhelm sank von 30 Schrotkugeln getroffen stark blutend zusammen. Nur sein dicker Mantel und die Pickelhaube bewahrten ihn vor dem Tod. Der psychisch kranke Attentäter versuchte unmittelbar nach dem Anschlag, sich selbst zu erschießen. Noch bevor ihm der Prozess gemacht werden konnte, erlag er seinen Verletzungen. Nobiling ging es nach eigener Aussage um das Erlangen von Ruhm und die Überlieferung seines Namens für die Nachwelt.

Der psychisch kranke Attentäter versuchte unmittelbar nach dem Anschlag, sich selbst zu erschießen. Noch bevor ihm der Prozess gemacht werden konnte, erlag er seinen Verletzungen. Nobiling ging es nach eigener Aussage um das Erlangen von Ruhm und die Überlieferung seines Namens für die Nachwelt.

Der Anschlag Nobilings war bereits das dritte Attentat auf Wilhelm I., doch war es das erste, bei dem der Kaiser ernsthaft verwundet wurde. Der 81-Jährige erlitt so schwere Verletzungen, dass er den Kronprinzen Friedrich zu seinem Stellvertreter ernennen musste. Bereits am 14. Juli 1861 verübte der Leipziger Student Oskar Becker (1839-1868) ein Attentat auf Wilhelm I., der seinem verstorbenen Bruder Friedrich Wilhelm IV. im Januar 1861 auf den preußischen Thron gefolgt war. Bei einem der gewohnten Vormittagsspaziergänge Wilhelms I. während einer Kur in Baden-Baden schoss Becker im Vorbeigehen auf den König, der sich lediglich in Begleitung des preußischen Gesandten befand. Wilhelm erlitt eine nur leichte Verletzung am Hals. Als Motiv für den Mordanschlag gab Becker die Unfähigkeit bzw. den Unwillen des Königs von Preußen an, die Einigung Deutschlands herbeizuführen. Becker wurde zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, auf Fürsprache König Wilhelms aber im Oktober 1866 begnadigt.

Nur drei Wochen vor dem Attentat Nobilings war dem Klempnergesellen Max Hödel (1857-1878) aus Leipzig am 11. Mai 1878 ein Attentat auf den Kaiser missglückt. Auch Hödel nutzte eine offene Kutschfahrt Wilhelms I. "Unter den Linden", seine zwei Revolverschüsse verfehlten jedoch ihr Ziel. Max Hödel, der kurz vor dem Attentat aus der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) ausgeschlossen worden war, wurde zum Tode verurteilt und am 16. August 1878 enthauptet. Beide 1878 verübten Attentate auf den Kaiser lastete Reichskanzler Otto von Bismarck der SAP an. Beweise für eine Urheberschaft gab es allerdings keine. Dennoch gelang es Bismarck, die Revolutionsängste in Deutschland zu schüren und das so genannte Sozialistengesetz gegen die Sozialdemokratie und die Arbeiterbewegung auf den Weg zu bringen.

Der letzte Attentatsversuch auf Kaiser Wilhelm I. erfolgte bei der Einweihung des Niederwalddenkmals in Rüdesheim am 28. September 1883. Eine Anarchistengruppe um August Reinsdorf (1849-1885) bereitete einen Anschlag mit Dynamit vor. Da bei der Enthüllung des Nationaldenkmals neben dem Kaiser auch der Kronprinz und viele Bundesfürsten anwesend sein würden, sah die antipreußisch gesinnte Gruppe eine passende Gelegenheit gekommen, gegen die führenden Repräsentanten des ihnen verhassten Staat vorzugehen. Trotz mehrfacher Versuche scheiterte das Attentat, denn der Zünder versagte aufgrund des feuchten Wetters. Reinsdorf wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Jenny Linek / Arnulf Scriba
16. August 2016

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