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    Kinderspielzeug "Braunes Haus", um 1935

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NS-Kinderspielzeug

Bereits die jüngsten Mitglieder der Familien wurden der ideologischen Indoktrination des Nationalsozialismus ausgesetzt. Er durchdrang die kindliche Spiel- und Erlebniswelt: Die Puppenstube als Welt im Kleinen ist eine Widerspiegelung des Alltags. Motive aus dem Leben der Hitler-Jugend (HJ) und des Bundes Deutscher Mädel (BDM) schmücken die Küchentapete, das Erinnerungsabzeichen einer "Kraft-durch-Freude"- Reise zum Münchener Oktoberfest hängt über dem bäuerlich bemalten Küchentisch. Wohn- und Schlafzimmer sind mit Schillerbüste und Madonnenbildnis ausgestattet. Repräsentanten der herrschenden Ideologie, Adolf Hitler, Hermann Göring und Benito Mussolini im Miniaturformat gerahmt, bilden das weitere Inventar des deutschen Alltags, den das Kind sich spielend aneignen sollte.

Der 1933 gegründete "Reichsverband der Deutschen Spielwaren-, Korbwaren- und Kinderwagenhändler" bot eine reiche Auswahl von Spielen und Spielzeugen an: vom einfachen hölzernen Legespiel, mit dem ein Nürnberger Bekleidungsgeschäft für seine Produkte warb, bis zum aufwendigen Blechspielzeug. Das "Braune Haus" - so benannt nach dem Vorbild der Münchner Zentrale der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) - bot mit abnehmbarem Dach und Beleuchtung den weit verbreiteten Lineol- und Elastolinfiguren einen idealen Spiel-Hintergrund. Die Mercedes-Kabriolimousine, in der der "Führer" mit zum "deutschen Gruß" erhobenem Arm das Kinderzimmer durchquerte, ist eine getreue Wiedergabe des Modells "770 K", in dem Hitler auch zu den Reichsparteitagen vorzufahren pflegte. Die Ausrichtung auf den "Führer" und die Partei sollte zum zentralen Element im Leben des Kindes werden und die entscheidende Rolle bei der Erziehung übernehmen. Die Eltern hatten dahinter zurückzutreten.

Kinderbücher förderten die systematische Erziehung zum Antisemitismus. Vor allem der Nürnberger Stürmer-Verlag trat durch Werke wie "Trau keinem Fuchs ..." hervor. In mindestens sieben Auflagen erschienen, zeigte es in starkfarbigen Zeichnungen das gesamte antisemitische Repertoire des NS-Regimes und forderte des "Führers Jugend" explizit zum Rassenhass auf: "Den deutschen Führer lieben sie. Den Gott im Himmel fürchten sie. Die Juden, die verachten sie. Die sind nicht ihresgleichen; drum müssen sie auch weichen!" Das Bilderbuch markierte einen traurigen Höhepunkt im Missbrauch kindlicher Naivität und Beeinflussbarkeit.

 

 

Carola Jüllig
6. August 2015

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