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    Erntedankfest auf dem Bückeberg, 1933

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Das Erntedankfest auf dem Bückeberg

Das Jahr 1933 war von der Machtentfaltung des NS-Regimes geprägt. Mit der Erhebung des 1. Mais zum "Nationalen Feiertag" sollte die Arbeiterschaft an den NS-Staat gebunden werden. In der nationalsozialistischen Weltanschauung stellte das Bauerntum eine der wichtigsten Stützen des deutschen Volkes dar. So wurde von Seiten der NS-Regierung immer wieder die Wichtigkeit der autarken Lebensmittelversorgung Deutschlands angesichts "feindlich gesinnter Nachbarn" betont. Damit sich die Landbevölkerung mit dem neuen Regime identifizierte, erklärte die NS-Regierung das auf christliche Traditionen und wohl auch auf ältere religiöse Rituale zurückgehende Erntedankfest ebenfalls zum Feiertag.

Der zentrale Staatsakt fand von 1933 bis 1937 jeweils Anfang Oktober auf dem Bückeberg in der Nähe von Hameln im Weserbergland statt. Das Gebiet des heutigen Niedersachsens galt den Nationalsozialisten als "urdeutscher Boden", auf dem die von Arminius (ca. 17 v. Chr.-19 n. Chr.) geführten Germanen die Römer vernichtend geschlagen und die Sachsen unter Widukind (743-ca.807) gegen die Franken unter Karl dem Großen (747-814) gekämpft hatten. Die nördlich des Bückebergs fließende Weser betrachteten die Nationalsozialisten als von der Quelle bis zur Mündung "urdeutschen Fluss". Nicht zuletzt sollten die Ahnen des NS-Märtyrers Horst Wessel aus dieser Gegend stammen, wo nach Ansicht der NS-Führung noch "freies, kämpferisches Bauerntum" lebte.

Der sanft ansteigende, unbewaldete Nordhang des Bückebergs bot eine ideale natürliche Bühne. Sie konnte mit wenigen, vom verantwortlichen Architekten Albert Speer mit Absicht schlicht gehaltenen Baumaßnahmen für die geplante Großveranstaltung hergerichtet werden. Der Festplatz wurde von einem mehrfachen ovalen Ring aus tausenden Fahnenmasten umschlossen. Um den naturverbundenen, vorindustriellen Charakter des deutschen Bauerntums zu propagieren, waren die beiden Tribünen am oberen und unteren Rand des Feldes ganz bewusst aus unbearbeitetem Holz errichtet worden. Die Tribünen verband ein erhöht angelegter, 800 Meter langer Fußweg.

Das Erntedankfest lief stets nach einem minutiös festgelegten Programm ab. Bereits die koordinierte Ankunft und der geordnete Transport der Menschenmassen zum Festplatz waren von den Nationalsozialisten als Demonstration eigener Stärke und Organisationsfähigkeit beabsichtigt und dienten wie der gesamte Ablauf des Fests der Inszenierung und Selbstdarstellung des NS-Regimes. Die Veranstalter - Joseph Goebbels und das ihm unterstellte Reichspropagandaministerium - gingen für das erste Reichserntedankfest am 1. Oktober 1933 von rund 500.000 Teilnehmern aus. Bis 1937 stieg die Teilnehmerzahl offiziell auf 1,2 Millionen. Nachdem sich die abendlichen Feierlichkeiten 1933 und 1934 angesichts der Massen als organisatorische Problemfälle erwiesen hatten, begann das Erntedankfest ab 1935 vormittags.

Um den Transport und die Unterbringung der Besucher zu gewährleisten, fand bis 1937 ein kontinuierlicher Ausbau des Festplatzes und der umliegenden Infrastruktur statt. Straßen wurden befestigt und verbreitert, zahlreiche neue angelegt und Bahnhöfe den neuen Bedingungen angepasst. Einer dieser Bahnhöfe war mit besonders langen Bahnsteigen speziell für den Halt des Sonderzugs von Adolf Hitler ausgestattet. Hitlers Ankunft gegen zwölf Uhr bildete den Höhepunkt des Fests. Bereits ab fünf Uhr morgens hatten sich die Menschen auf dem Festplatz versammelt. Viele dieser lokalen Anwohner sowie mit Autos und Sonderzügen Angereisten trugen regionale Trachten. Ihr gemeinsames Warten auf den "Führer" sollte nach den Vorstellungen der Organisatoren die Spannung steigern und das Gemeinschaftsgefühl fördern.

Viele Menschen nahmen am Bückebergfest teil, um Hitler aus der Nähe zu erleben, denn anders als bei anderen offiziellen Anlässen gab er sich dort ungewohnt volksnah. Nach dem "Bad in der Menge" entlang des 800 Meter langen Fußwegs bekam Hitler vor der mit bis zu 3.000 Ehrengästen und Diplomaten besetzten oberen Tribüne von einer Bäuerin eine Erntekrone überreicht. Ein mit Hakenkreuzflaggen und Ernteerzeugnissen geschmückter Tisch vor der Ehrentribüne verdeutlichte die von der NS-Führung beabsichtigte Verschmelzung von ursprünglicher Festtradition und propagandistisch überhöhter "Blut und Boden"-Ideologie der Nationalsozialisten.

Ab 1935 folgte als weiterer Programmpunkt eine Wehrübung zur Propagierung der verstärkten Aufrüstung, nachdem nur wenige Wochen zuvor die allgemeine Wehrpflicht wiedereingeführt worden war. Während des letzten Fests 1937 dauerte diese Übung rund eine Stunde und fand unter der Beteiligung von über 10.000 Soldaten statt. Nach dem Ende der Wehrübung sprachen Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister Richard Walther Darré und Hitler von der Tribüne am unteren Rand des Festplatzes. Diese war dort aufgebaut worden, damit die Zuschauer eine bessere Sicht auf die Redner hatten. Die Ansprachen und das sich anschließende gemeinsame Singen des Deutschland- und des Horst-Wessel-Lieds bildeten den feierlichen Abschluss des Festes.

Das Bückebergfest 1938 sagte die NS-Führung am 30. September wegen "Inanspruchnahme von Transportmitteln" kurzfristig ab. Die Züge, mit denen in den Jahren zuvor die Teilnehmer angereist waren, benötigte man aufgrund des Einmarschs in das Sudetenland zum Transport von Wehrmachtstruppen an die tschechoslowakische Grenze. Während des Zweiten Weltkriegs fand das Reichserntedankfest nicht mehr statt.

Sarah Laubenstein
2. November 2004

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