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Arbeiterfotografie

1926 rief die der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) nahestehende "Arbeiter-Illustrierte-Zeitung" (AIZ) alle fotografierenden Arbeiter zu einem Wettbewerb auf und bat um Zusendung von Photos, die das Arbeits- und Alltagsleben und den Kampf der Arbeiterbewegung dokumentierten. Schon ein Jahr zuvor hatte die KPD auf ihrer Reichsagitations- und Propagandakonferenz gefordert, alle Medien in der Weimarer Republik in den Dienst des Klassenkampfes zu stellen. Damit war auch die zentrale Aufgabe der Arbeiterfotografiebewegung definiert. Bereits 1927 wurde die Vereinigung der Arbeiter-Fotografen Deutschlands gegründet, der neben Kommunisten auch Sozialdemokraten und Parteilose angehörten. Ziel der Organisation war die "aktive Beteiligung der Arbeiter-Fotografen an den politischen und wirtschaftlichen Kämpfen der Arbeiterklasse".

Auch der aus Hannover stammende Walter Ballhause wurde vom Hilfsarbeiter zum Arbeiterfotografen. Er war seit 1925 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und wechselte 1931 zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Mit einer geliehenen Leica, unter Mantel oder Jacke versteckt, hielt er die "überflüssigen Menschen" seiner Zeit fest: Arbeitslose, Kinder, Alte, Invaliden. Ohne revolutionäres Pathos dokumentieren Ballhauses Bilder das Elend und den täglichen Kampf ums Überleben derer, die nur noch kümmerlich von der Wohlfahrt lebten oder in der Weltwirtschaftskrise sogar ohne jede Unterstützung auskommen mussten.

Carola Jüllig, Arnulf Scriba
14. September 2014

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