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    Werbeplakat von "Kraft durch Freude" für den Volkswagen, 1938

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Der Volkswagen (VW)

Seit den späten 1920er Jahren war Adolf Hitler von der Vorstellung einer Massenmotorisierung fasziniert. Am 7. März 1934 sprach er sich auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin erstmals öffentlich für die Entwicklung eines preisgünstigen "Volkswagens" aus. Die von Hitler projektierte und vom Propagandaministerium verbreitete Preisvorgabe von höchstens 1.000 Reichsmark (RM) sollte die Zielvorgabe der Volksmotorisierung unterstreichen. Mit dem Volkswagen-Projekt betraute der Reichsverband der Automobilindustrie (RDA) im Juni 1934 den Automobilbauer Ferdinand Porsche (1875-1951). Er plante den Bau der zu konstruierenden Volkswagenwerke nach dem Vorbild von Fords "River Rouge"-Werk in Detroit.

Anfang 1937 nahm sich nach dem Ausstieg des RDA auf persönliche Initiative Robert Leys die Deutsche Arbeitsfront (DAF) der organisatorischen und finanziellen Verantwortung des Volkswagenprojekts an. Die propagandistisch inszenierte Grundsteinlegung für das größte Automobilwerk Europas erfolgte am 26. Mai 1938 beim niedersächsischen Fallersleben am Mittellandkanal. Neben der Werksfabrik entstand die "Stadt des KdF-Wagens" für vorgesehene 90.000 Menschen, doch verzögerten sich Fabrik- und Stadtbau nach Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wegen des Arbeitskräftemangels und der knappen Rohstoffressourcen zunehmend. Als Kaufanreiz für das als "KdF-Wagen" etikettierte 990 RM teure Automobil entwarf die DAF-Organisation Kraft durch Freude (KdF) für weniger kaufkräftige Schichten ein Spar- und Versicherungssystem. An die bis Kriegsende knapp 340.000 zählende Kundschaft der Sparaktion konnten allerdings kaum Modelle ausgeliefert werden, da nur wenige Hundert Volkswagen hergestellt wurden.

Ab Frühjahr 1940 wurde das Unternehmen schrittweise in einen Rüstungsbetrieb umfunktioniert. Zunehmend gingen die VW-Werke dazu über, Flugzeugbauteile, Bomben, den Kübelwagen VW 82 und seit August 1943 die Zellen für die "Vergeltungswaffe" V1 zu produzieren. Seit der Jahreswende 1940/41 zog das Volkswagenwerk zunehmend ausländische Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten heran, die 1944 mit etwa 20.000 Menschen beinahe zwei Drittel der gesamten Belegschaft ausmachten. Zwischen April und Oktober 1942 befanden sich auf dem Gelände des Volkswagenwerks im Konzentrationslager "Arbeitsdorf" zudem rund 800 politische Häftlinge.

Nach Kriegsende stellte die "Stadt des KdF-Wagens" größtenteils eine Ansammlung von Barackenlagern dar. Am 25. Mai 1945 erhielt sie auf Weisung der britischen Militärregierung den Namen Wolfsburg, benannt nach einer in der Nähe befindlichen Burg. Das Volkswagenunternehmen, das nur geringfügig durch alliierte Luftangriffe beschädigt worden war, kehrte unter dem Namen "Wolfsburg Motor Works" zur Kfz-Herstellung zurück, blieb jedoch noch bis zum 9. Oktober 1949 in britischer Treuhandverwaltung.

Fabian Schwanzar
17. August 2008

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