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    Abzeichen polnischer Zwangsarbeiter, 1940-1945

> Der Zweite Weltkrieg > Kriegsverlauf

Zwangsarbeit in Polen

Am 26. Oktober 1939 verordnete der Leiter der deutschen Zivilverwaltung im "Generalgouvernement", Hans Frank, die Einführung der Arbeitspflicht für Polen zwischen dem 18. und 60. Lebensjahr, die keine "dauernde gemeinschaftsnützliche Beschäftigung" nachweisen konnten. Ab Sommer 1941 wurden die Zwangsarbeitsmaßnahmen auch auf den bis dahin sowjetisch besetzen Teil Polens übertragen und zunehmend verschärft. Nun zogen die Besatzungsbehörden zunehmend auch Jugendliche und selbst Kinder zur Zwangsarbeit heran. Die Behörden im besetzten Polen hatten weitgehend vergeblich versucht, Freiwillige für Arbeitseinsätze im Deutschen Reich anzuwerben. Im Oktober 1940 arbeiteten in der deutschen Landwirtschaft etwa 400.000, in der Industrie rund 140.000 unter Zwang nach Deutschland verschleppte Polen. Für die deutsche Kriegswirtschaft arbeiteten zudem 300.000 polnische Kriegsgefangene, zumeist in der Landwirtschaft.

Das nationalsozialistische Deutschland verpflichtete bis Kriegsende 1945 insgesamt zwischen zwei und drei Millionen polnische Zivilarbeiter für den Arbeitseinsatz im Deutschen Reich - die meisten von ihnen nach der 1942 erweiterten Arbeitspflicht für Polen im Alter von 14-60 Jahren. Um den im Deutschen Reich wachsenden Arbeitskräftebedarf zu decken, organisierten SS, Polizei und Wehrmacht zunehmend Razzien und Menschenjagden auf offener Straße. In Deutschland waren die Polen als "rassisch Minderwertige" praktisch rechtlos. Bei niedrigen Löhnen, unzureichender Ernährung und einer oft menschenunwürdigen Unterbringung und medizinischen Versorgung drohte stets die Gefahr schwerster Bestrafungen - etwa wegen vorgeblicher Sabotage oder wegen "Rassenschande". Die polnischen Zwangsarbeiter im Deutschen Reich waren durch ein auf der Kleidung aufgenähtes "P" für jedermann sichtbar: in den Betrieben in Stadt und Land, in den ärmlichen Barackenlagern und bei häufig besonders gefährlichen und kräftezehrenden Arbeitseinsätzen.

Für die jüdische Bevölkerung im besetzten Polen bestand Arbeitszwang. Sie musste Zwangsarbeit innerhalb und außerhalb der Ghettomauern leisten. In vielen Ghettos entstanden Fabriken und Werkstätten, in denen unter miserablen Bedingungen für NS-Organisationen, die Wehrmacht oder deutsche Privatunternehmen produziert wurde. Die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft ging der systematischen Ermordung der polnischen Juden voraus.

Als der Arbeitskräftemangel im Verlauf des Krieges immer größer wurde, verlieh die Schutzstaffel (SS) für eine vertraglich vereinbarte Tagespauschale KZ-Häftlinge an Unternehmen. Industriebetriebe und das Wirtschaftsimperium der SS bereicherten sich an der Arbeitsleistung der Häftlinge. Für diese vor allem in Fabriken und Steinbrüchen eingesetzten Zwangsarbeiter war die "Vernichtung durch Arbeit" vorgesehen.

Arnulf Scriba
19. Mai 2015

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