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    Die Zeitschrift "Die Woche" zum Spanischen Bürgerkrieg, 1939

> NS-Regime > Außenpolitik

Die deutsch-spanischen Beziehungen

Bis zum Beginn des Spanischen Bürgerkriegs spielte Spanien in der NS-Außenpolitik nur eine untergeordnete Rolle. Erst als der putschende General Francisco Franco sich im Juli 1936 mit einem Hilfegesuch an das Deutsche Reich wandte, geriet Spanien in den Fokus des NS-Regimes. Franco benötigte Flugzeuge und Waffen für seine in Marokko stehende Armee, mit der er die Invasion auf dem spanischen Festland plante. Am 25. Juli 1936 beschloss Adolf Hitler, dem Gesuch nachzukommen, um den rechtsgerichteten Franco in seinem Kampf gegen die sozialistische Republik in Spanien zu unterstützen.

Die NS-Führung befürchtete eine Annäherung Spaniens an Frankreich und die Sowjetunion und eine Verstärkung der "Einkreisung" Deutschlands im europäischen Bündnissystem. Bei einem Sieg Francos über die linksgerichtete Volksfrontregierung versprach sich der in Europa weitgehend isolierte NS-Staat einen neuen Bündnispartner. Der Konflikt in Spanien, den Hitler als Kampf des Nationalsozialismus und Faschismus gegen den Marxismus ansah, sollte außerdem zur Erweiterung der deutschen Rohstoffbasis genutzt werden. Vor allem Bergbauerzeugnisse sollten nach Deutschland fließen. Nicht zuletzt wollte die NS-Führung bei einer Intervention in Spanien die Kampfkraft der Wehrmacht erproben.

Am 1. August 1936 landeten die ersten deutschen Transportflugzeuge im marokkanischen Tétouan, von wo aus sie eine Luftbrücke an die südspanische Küste errichteten. Auf diese Weise gelangte das durch deutsche Waffen und eine Spezialeinheit, der späteren Legion Condor, verstärkte Heer Francos auf die iberische Halbinsel. Um die deutsche Unterstützung geheimzuhalten, flogen die Flugzeuge unter dem Namen HISMA (Sociedad Hispano-Marroquí de Transportes), einem noch zuvor von den Deutschen gegründeten Handels- und Logistikunternehmen.

Durch die intensive Unterstützung des NS-Staates gelangte Franco zunehmend in deutsche Abhängigkeit. Dies nutzte die NS-Regierung, um ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen. Die HISMA monopolisierte den deutsch-spanischen Handel und erwarb bis 1937 Rechte auf Eisen-, Kupfer-, Blei-, Wolfram-, Zinn- und Zinkminen. Die entstandenen Kriegsschulden beglichen die Franquisten in Form von Warenlieferungen an Deutschland. Von den spanischen Rohstofflieferungen profitierte das Deutsche Reich noch bis 1944.

Trotz der Neutralitätserklärung unterstützte Spanien Deutschland seit 1941 durch die "Blaue Division". Die Infanteriedivision aus spanischen Freiwilligen kämpfte an der Ostfront gegen die Rote Armee. Nachdem die Alliierten 1943 in Nordafrika und Sizilien gelandet waren, forderten sie unter Androhung militärischer Intervention von Spanien den Abzug der "Blauen Division". Nach Auflösung der Division durch Franco gingen einige Verbände in der Waffen-SS auf, bis 1945 kämpften sie auf deutscher Seite. Nach Ende des Krieges sah sich das franquistische Spanien in Europa weitgehend isoliert.

Lukas Kohn, Arnulf Scriba
4. November 2021

 

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