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    "Selektion" ungarischer Juden an der Rampe von Auschwitz, 1944

> Der Zweite Weltkrieg > Völkermord

"Selektion" im Vernichtungslager Auschwitz

Nachdem die aus ganz Europa stammenden Juden meist in Güterwaggons nach Auschwitz-Birkenau deportiert worden waren, mussten sie an der "Rampe" ihr Gepäck zurücklassen. "Arbeitsjuden" brachten es anschließend zu einer Sortierstelle, von wo es sortiert und gebündelt entweder in das "Altreich" verschickt oder für das KZ verwendet wurde. Die Juden wurden noch auf dem Gleis von Ärzten der Schutzstaffel (SS) nach Geschlechtern getrennt und "selektiert". Junge, gesunde und somit "arbeitsfähige" Menschen registrierte die SS und überstellte sie in das Lager. Nach einiger Zeit im Quarantänelager wurden sie in die verschiedenen Außenlager von Auschwitz verlegt und zur Arbeit in den landwirtschaftlichen Versuchsstationen und Produktionsstätten des Konzentrationslagers (KZ) sowie in der Rüstungsproduktion gezwungen. Dort fielen die meisten KZ-Insassen den harten Lebensbedingungen und regelmäßigen Selektionen für die Gaskammer zum Opfer.

Alte und kranke Menschen, Kinder sowie Frauen mit Kleinkindern hingegen wurden in der Regel als "arbeitsunfähig" eingestuft und direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz in der Gaskammer umgebracht. Um den Mord an Tausenden von Menschen zügig und ohne Komplikationen durchführen zu können, verkündeten SS-Männer den Opfern, sie gingen nun zum Baden und zur Entlausung und trieben sie in die als Duschräume getarnten Gaskammern. Anschließend mussten Häftlinge des sogenannten Sonderkommandos die Ermordeten nach versteckten Wertgegenständen durchsuchen, ihnen die Goldzähne herausbrechen, die Fingerringe abnehmen sowie die Haare der Frauen abschneiden. Danach wurden die Leichen in den Krematorien verbrannt und die Asche in einen in der Nähe befindlichen Teich geschüttet oder auf umliegende Felder verteilt. Die bei den Vernichtungsanlagen arbeitenden Juden ermordete die SS als Mitwisser des Verbrechens regelmäßig und ersetzte sie durch neue Häftlinge.

Jenny Oertle
6. September 2002

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