• 20031311

    Militär-strategische Karte von den Verteidigungslinien an der deutsch-französischen Grenze, 1939/40

> Der Zweite Weltkrieg > Außenpolitik

Die Maginot-Linie

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg beauftragte die französische Regierung den Generalstab, Pläne für ein Verteidigungssystem entlang der Grenze zum Deutschen Reich in Elsass und Lothringen zu entwickeln, um einen erneuten deutschen Einmarsch zu verhindern. Der wichtigste und am stärksten ausgebaute Abschnitt des Befestigungsgürtels, der vom Norden des Elsass bis zur Schweizer Grenze reichte, wurde als "Maginot-Linie" benannt. Vorrang hatte der Bau der Verteidigungsanlagen in den so genannten "régions fortifiées" (befestigte Regionen) von Metz (Lothringen) und Lauter (Elsass). Die gestiegene Bedrohung durch das NS-Regime erforderte die Verlängerung der Verteidigungslinie bis hin zur Atlantikküste.

Innerhalb des französischen Führungsstabs gingen die Vorstellungen über neue militärische Abwehranlagen in den 1920er Jahren auseinander. Während Generalinspekteur Henri Philippe Pétain eine durchgehende Verteidigungslinie in den Grenzgebieten favorisierte, sprach sich Marschall Joseph Joffre für eine Beibehaltung der bereits bestehenden unterirdischen Festungsanlagen von Verdun, Toul und Epinal aus. Der militärische Führungsstab konnte sich auch nicht einigen, ob im Falle eines eventuellen Angriffs aus Deutschland grundsätzlich defensiv oder offensiv reagiert werden sollte. Kriegerische Auseinandersetzungen in Marokko und Unruhen in Syrien unterbrachen den Planungsprozess, der erst durch Kriegsminister Paul Painlevé (1863-1933) neu belebt wurde. Er berief 1925 eine Kommission ein, die unter der Leitung von General Adolphe Guillaumat (1863-1940) eine Studie zur Verteidigung der französischen Grenze ausarbeiten sollte. Am 6. November 1926 legte die "Commission de défense des frontières (CDF)" (Kommission zur Verteidigung der Grenzen) einen 105 Seiten langen Bericht vor, in dem die zu verteidigenden Zonen bestimmt wurden. Der Bericht hob die Bedeutung der Regionen entlang des Rheins hervor, die durch mehrere Verteidigungslinien geschützt werden sollten.

Innerhalb des französischen Führungsstabs gingen die Vorstellungen über neue militärische Abwehranlagen in den 1920er Jahren auseinander. Während Generalinspekteur Henri Philippe Pétain eine durchgehende Verteidigungslinie in den Grenzgebieten favorisierte, sprach sich Marschall Joseph Joffre für eine Beibehaltung der bereits bestehenden unterirdischen Festungsanlagen von Verdun, Toul und Epinal aus. Der militärische Führungsstab konnte sich auch nicht einigen, ob im Falle eines eventuellen Angriffs aus Deutschland grundsätzlich defensiv oder offensiv reagiert werden sollte. Kriegerische Auseinandersetzungen in Marokko und Unruhen in Syrien unterbrachen den Planungsprozess, der erst durch Kriegsminister Paul Painlevé (1863-1933) neu belebt wurde. Er berief 1925 eine Kommission ein, die unter der Leitung von General Adolphe Guillaumat (1863-1940) eine Studie zur Verteidigung der französischen Grenze ausarbeiten sollte. Am 6. November 1926 legte die "Commission de défense des frontières (CDF)" (Kommission zur Verteidigung der Grenzen) einen 105 Seiten langen Bericht vor, in dem die zu verteidigenden Zonen bestimmt wurden. Der Bericht hob die Bedeutung der Regionen entlang des Rheins hervor, die durch mehrere Verteidigungslinien geschützt werden sollten.

Doch es mussten wiederholt Einschränkungen beim weiteren Ausbau der Anlagen gemacht werden, da Frankreich ab 1936, angesichts der sich ankündigenden kriegerischen Auseinandersetzung mit Deutschland, der Modernisierung seiner Streitkräfte den Vorrang geben musste. Manche Bunker wurden erst kurz vor Beginn der deutschen Westoffensive fertig gestellt.

Nach Kriegsausbruch konzentrierte sich Frankreich ganz auf seine Defensivtaktik hinter der Maginot-Linie, wo von September 1939 bis Mai 1940 über 20 Divisionen kampfbereit ausharrten. Dieser "Sitzkrieg" endete mit der deutschen Westoffensive, die nach dem von Generalleutnant Erich von Manstein ausgearbeiteten Angriffsplan "Sichelschnitt" erfolgte: Ein Teil der deutschen Streitkräfte griff die neutralen Niederlande und Belgien an, um die stark befestigte französische Maginot-Linie im Norden zu umgehen. Wie erwartet rückten französische und britische Truppen nach Belgien zur Unterstützung des belgischen Heeres vor. Währenddessen stieß die Heeresgruppe A unter Generaloberst Gerd von Rundstedt durch Luxemburg und die dicht bewaldeten Ardennen bis zur französischen Kanalküste vor. Dadurch konnten bereits in der ersten Phase der deutschen Offensive starke alliierte Truppenverbände eingeschlossen und die strategische Ausgangsbasis für die Einnahme Frankreichs errungen werden. Der Heeresgruppe C unter Generaloberst Wilhelm Ritter von Leeb gelang es, die Maginot-Linie bei Sedan im Rücken der alliierten Truppen zu durchbrechen. Die Maginot-Linie trug letztendlich wenig zur Verteidigung Frankreichs bei. Außerdem wurde es der französischen Militärführung zum Verhängnis, dass sie in ihren strategischen Planungen einen Durchbruch der motorisierten Wehrmacht durch die als schwer passierbar geltenden Ardennen nicht mit einkalkulierte.

Die französische Armee und die Bevölkerung wurden vom deutschen Durchbruch durch die Maginot-Linie überrascht. Sie hatten dem von staatlicher Seite als unbezwingbar gepriesenen Verteidigungsgürtel vertraut. Der Schock über den Zusammenbruch der Maginot-Linie führte zur panikartigen Flucht von Millionen Franzosen in den Süden Frankreichs.

Anna Hornung
11. Mai 2015

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