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    Alliiertes Flugblatt über die Sinnlosigkeit, weiter gegen die Westmächte zu kämpfen, 1944

> Der Zweite Weltkrieg > Kriegsverlauf

Der Vormarsch der Alliierten in Italien 1943-1945

Zwei Wochen nach Abschluss der alliierten Landung auf Sizilien setzten am 3. September zwei britische Divisionen erstmals auf das italienische Festland an der "Stiefel"-Spitze in Kalabrien über. Die Hauptmacht der alliierten Streitkräfte landete sechs Tage später in Salerno südlich von Neapel. Beide Städte konnten bis Anfang Oktober 1943 nur unter erheblichen Verlusten eingenommen werden. Nach dem Sturz Benito Mussolinis am 25. Juli 1943 und dem mit den Alliierten abgeschlossenen Waffenstillstand durch die neue italienische Regierung unter Pietro Badoglio (1871-1956) am 3. September musste sich die Wehrmacht der britisch-amerikanischen Angriffe nahezu ohne Unterstützung des ehemaligen Achsenpartners erwehren. Nur wenige mussolinitreue Verbände standen ihr dabei zur Verfügung.

Der eilig von der Ostfront abgezogenen deutschen 10. Armee unter Generaloberst Heinrich von Vietinghoff (1887-1952) gelang dabei nördlich von Neapel der Aufbau einer quer über das italienische Festland verlaufenden zusammenhängenden Frontlinie. Diese in den folgenden Monaten ausgebaute "Gustav-Stellung" von der Garigliano-Mündung am Tyrrhenischen Meer bis zur Mündung des Sangro an der Adria erstreckte sich durch unwegsame Gebirgslandschaften. Ein schneller Vorstoß der Alliierten nach Norden war dadurch unmöglich. Die Kämpfe verharrten im Winter 1943/44 in Stellungskriegen, wobei die Schlacht um Monte Cassino besonders heftig und für beide Seiten verlustreich tobte.

Erst Ende Mai 1944 gelang den Alliierten eine Verbindung zu ihren am 22. Januar 1944 hinter der deutschen Front in Anzio und Nettuno südlich von Rom errichteten Brückenköpfen. Aufgrund des vom deutschen Oberbefehlshaber in Italien, Albert Kesselring, angeordneten Rückzugs seiner Truppen von der "Gustav-Stellung" nach Norden konnten alliierte Verbände am 4. Juni kampflos und unter dem Jubel der Bevölkerung in das von der Wehrmacht geräumte Rom einmarschieren. Die deutsche Heeresgruppe C zog sich in den folgenden Wochen hinter die 320 Kilometer lange Apennin-Stellung ("Grüne Linie") zurück, die sich von La Spezia über den Apennin bis in das ostitalienische Rimini erstreckte. Schwere Angriffe der 5. US-Armee und der britischen 8. Armee auf die Verteidigungsstellung mussten im Oktober 1944 wegen einsetzender schwerer Regenfälle ergebnislos abgebrochen werden. Aufgrund des ungewöhnlich harten Winters 1944/45 erstarrte die italienische Front, die nach der alliierten Invasion in der Normandie für beide Seiten ohnehin nur noch einen Nebenkriegsschauplatz darstellte, bis Mitte April 1945.

Massive Bombardements auf deutsche Nachschublieferungen über den Brenner sowie eine am 15. April 1945 von den Alliierten eröffnete Großoffensive gegen die "Grüne Linie" führten bei der deutschen Heeresführung in Italien zu der Erkenntnis, dass die Lage für die Heeresgruppe C aussichtslos geworden war. Entgegen einem ausdrücklichen Befehl von Adolf Hitler kapitulierte Kesselrings Nachfolger Vietinghoff mit den in Italien kämpfenden Wehrmachtsverbänden am 29. April 1945.

Arnulf Scriba
19. Mai 2015

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